Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. Grosse: Ethnologie und Ästhetik. Vierteljahresschrift für wissensch. Philosophie XV, H. 4, 1891, S. 392-417
Person:
Gaupp
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14776/2/
Litteraturbericht. 
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und in der noch komplizierteren nach dem allgem. Zusammenhang der 
Kunstthätigkeit eines Yolks mit seiner Umgehung und seiner übrigen 
Kultur zu festeren Resultaten zu kommen. Vollends leicht fällt dem 
Yerf. der Nachweis der Unentbehrlichkeit der ethnolog. Methode für die 
Entwickelungsgeschichte der Kunst. Man meinte, hier mit der historischen 
Methode auszukommen; aber man vergafs, dafs die Anfänge der Kunst 
in der Geschichte durchaus nicht zusammenfallen mit den Anfängen 
der Kunst überhaupt. Gaupp (London). 
Charles E. Beevok. On some points in the action of muscles. Brain, LIII, 
1891, S. 51 ff. 
Verfasser gelangt auf Grund eigener Beobachtungen zu folgenden 
Resultaten : 
1. Für die Untersuchung der Wirkungen, welche die Thätigkeit 
eines Muskels hat, giebt es drei Methoden, erstens die anatomische, hei 
welcher an der Leiche die Wirkungen beobachtet werden, welche ein- 
treten, wenn auf den Muskel in seiner Kontraktionsrichtung ein Zug 
ausgeüht wird, zweitens die Methode der elektrischen Reizung des Muskels 
und drittens die „natürliche“ Methode, hei welcher direkt an dem sich 
willkürlich bewegenden Körper mittelst des Gesichts- oder Tastsinns 
festgestellt wird, welche Muskeln sich hei Ausführung der verschiedenen 
Willenshewegungen kontrahieren. Für diejenigen Muskeln, welche so 
tief liegen, dafs sie vom faradischen Strome nicht erreicht werden und 
ihre Kontraktionen dem Gesichts- und Tastsinne unmerkbar bleiben, kommt 
natürlich allein die erste Methode in Betracht. Hiervon abgesehen, ver¬ 
dient aber die natürliche Methode durchaus den Vorzug, weil der Umstand, 
dafs ein Muskel den anatomischen Verhältnissen nach fähig ist, eine 
bestimmte Bewegung hervorzurufen oder hei Ausführung derselben mit¬ 
zuwirken, nachweislich nicht mit dem Umstande verbunden • zu sein 
braucht, dafs der Muskel auch wirklich bei willkürlicher Ausführung 
dieser Bewegung benutzt werde. 
2. Werden Muskeln behufs Ausführung schneller und gewaltsamer 
Bewegungen in Thätigkeit versetzt, so läfst sich eine Miterregung ihrer 
Antagonisten nicht beobachten. Ob die Antagonisten bei langsamen, 
moderierten Bewegungen mehr thun, als das durch die Schwere bedingte 
Herabsinken des Gliedes zu mäfsigen, ist zweifelhaft. Bei sehr feinen 
Bewegungen sind die Antagonisten wahrscheinlich thätig. (Man ver¬ 
gleiche hierzu den im 2. Bande dieser Zeitschrift, S. 412 f., gegebenen 
Bericht über die Untersuchungen von H. Demény. D. Ref.) 
3. Trotz der (auf den m. supinator longus und pectoralis major be¬ 
züglichen) gegenteiligen Behauptungen von Duchenne und anderen kommt 
es nie vor, dafs ein Muskel unter gewissen Umständen eine Bewegung 
bewirke, welche der unter anderen Umständen von ihm bewirkten Be¬ 
wegung genau entgegengesetzt sei. 
4. Ebenso wie ein Augenmuskel kann auch ein Gliedmuskel für eine 
Art von Bewegungen gelähmt sein, für eine andere Art aber nicht.
        

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