Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
I. R. Wallaschek: On the origin of Music, II. J. Mck. Cattell, III. H. Spencer. Mind XVL, 1891, Nr. 63, S. 375-386, Ebd., S. 386-389
Person:
Gaupp
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14775/2/
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Litteraturbericht. 
leiten. Die Menschen kamen nicht zur Musik durch Töne, sondern sie 
kamen zu Tönen und Liedern durch rhythmischen Impuls. Ferner sei Musik 
der Ausdruck des Gefühls, Sprache der Ausdruck des Denkens. Nehmen 
wir also an, dafs Musik aus dem Sprechen sich entwickelt habe, so 
müfsten wir auch annehmen, dafs Gefühl sich aus dem Denken ent¬ 
wickelt habe. (?) 
II. Prof. Catt. wendet sich gegen den Abschnitt in Spencers Auf¬ 
satz: The origin of music, Mind. 60, der von der Harmonie handelt. Er 
will zeigen, dafs Harmonie sich aus der Melodie entwickelt hat und 
dafs die emotionelle Wirkung der Harmonie auf derselben Grundlage be¬ 
ruht wie die der Musik überhaupt. Er sucht zu diesem .Zwecke nach¬ 
zuweisen, dafs der Kombination von Tönen in der Harmonie schon im 
einzelnen Ton die Harmonie der Obertöne entspricht. Alle Kombinationen 
der Musik sind nach ihm latent in den Tönen der Natur. 
III. Spencer wendet'sich kurz gegen obige Ausführungen. Er findet 
den Hauptmangel der ßhythmustheorie in der Ansicht, dafs Musik ihren 
wesentlichen Charakter durch einen Zug, den sie mit andern Dingen gemein 
hat, erhalte, statt durch einen Zug, den sie allein besitzt. Während Musik 
als eines der verschiedenen rhythmischen- Produkte zu klassifizieren sei, 
werde sie Musik allein durch das, was sie von andern rhythmischen 
Produkten unterscheide. Der Name „Speechtheory“ sei mifsleitend; er 
lehre nur, dafs Musik aus dem Gefühlselement der Sprache sich ent¬ 
wickelt habe. — 
Gegen Prof. Catt. bemerkt er, er würde der Lehre, dafs Harmonie 
sich aus der Melodie entwickelt habe, gerne zustimmen, wenn nachweis¬ 
bare Übergänge zwischen den Tonkombinationen, die die Klangfärbung 
konstituieren, die wir aber nicht als Harmonie wahrnehmen, und den 
Tonkombinationen, die für unsere Wahrnehmung eine Harmonie bilden, 
gefunden werden könnten. —• Gaupp (London). 
E. Grosse. Ethnologie und Ästhetik. Vierteljahrsschrift für wissenseh. 
Philosophie XV. H. 4 (1891) S. 392—417. 
Yerf. bezeichnet es als Zweck seiner Ausführungen, die Wichtigkeit 
der ethnologischen vergleichenden Methode, der alle übrigen Geistes¬ 
wissenschaften so viel verdanken, für die empirische Ästhetik darzuthun. 
Er giebt zuerst eine kurze historische Übersicht über die Beziehungen 
zwischen Ethnologie und Ästhetik seit Abbé Dübos und deutet dann 
näher an, in welchen Fragen die Ästhetik von der Ethnologie Hülfe 
und Aufklärung zu erwarten hat. Jedes ästhetische Gefühl setzt ein 
Subjekt, in dem es erregt wird, und ein wahrgenommenes oder vorgestell¬ 
tes Objekt, von dem es erregt wird, voraus. An die letztere Bedingung 
knüpft die Frage nach den objektiven Bedingungen für das ästhetische 
Gefühl an. Verf. zeigt, wie alle Theorien hier fehlgehen, wenn sie die 
ethnolog. vergleichende Betrachtung vernachlässigen. Aber auch in Be¬ 
ziehung auf den subjektiven Faktor wirkt die ethnolog. Methode auf¬ 
klärend. Gerade indem sie uns einfachste und primitivste Verhältnisse 
vorführt, ermöglicht sie uns, in den komplizierten Fragen nach den Gründen 
der verschiedenen ästhetischen Empfänglichkeit der einzelnen Völker
        

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