Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
I. J. Mark Baldwin: The coefficient of external reality, II. G. F. Stout: Belief. Mind. XVI, 1891, Nr. 63, S. 389-393, Ebd., Nr. 64, S. 449-470
Person:
Gaupp
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14769/2/
Litteraiurbericht. 
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empfindungen wiederholen, die mit ihm in seiner ersten Erfahrung 
assoziiert waren. 
Stout gehört zn der 1. Kategorie. Die Vorstellung realer Existenz 
hängt nach ihm ah von der Begrenzung unserer Willensthätigkeit durch 
das Material, auf das sie ausgeübt wird. Er unterscheidet 'Willens¬ 
thätigkeit, insofern sie sich 1. als Bewegung des Körpers und 2. als 
innerer Prozefs der Aufmerksamkeit darstellt. Die Beschränkung der 
ersteren hat Verf. Mind XV. S. 22, Genesis of the cognition of physical 
reality dargestellt. Hierzu enthält dieser Artikel nur einige Bemerkungen. 
Sein eigentlicher Zweck ist die Beschränkung der innern Willens¬ 
richtung, der Aufmerksamkeit, durch die Natur der Vorstellungen, auf 
die sie sich richtet, darzustellen. Verf. untersucht des Nähern das 
Reale in den Empfindungen, in den Vergleichungsarbeiten, ferner die 
objektiven Attribute der Vorstellungen, die Objektivität des Raums und 
der Raumbeziehungen, die Realität in der Ideenassoziation etc. 
Überall sucht er dabei die Objektivität in der Beschränkung und 
der Kontrolle, die durch die innere Natur dessen, auf das sich unsere 
Aufmerksamkeit richtet, dieser unserer subjektiven Thätigkeit auf¬ 
erlegt wird. Gaupp (London). 
Yves Delage. Essai sur la théorie du rêve. Bev. Scieniif. Bd. 48. 
S. 40—48. (11. Juli 1891.) 
Die vorliegende Abhandlung untersucht in ansprechender Weise 
einige Probleme der Traumpsychologie und gelangt dabei zu Resultaten, 
welche zum gröfsten Teile neu sind. Die hauptsächlichsten sind folgende : 
Im allgemeinen kehren die Ideen, welche den Geist im wachen Zustande 
beherrscht haben, im Traume nicht wieder. Die Grundbedingung dafür, 
dafs ein Eindruck einen Traum hervorrufe, ist die, dafs der Geist fast 
sogleich, nachdem er den Eindruck im Wachen perzipiert hatte, davon 
abgewendet wurde, oder dafs er im Momente der Perzeption auf natür¬ 
liche Weise abgezogen wurde. Dieses Abziehen des Geistes kann so 
weit gehen, dafs dabei die Perzeption völlig unbewufst erfolgt ist, so 
dafs sie keine Spur im Gedächtnis zurückläfst. Demnach giebt es für 
einen Eindruck um so mehr Möglichkeiten, einen Traum hervorzurufen, 
je weniger bewufst und je lebhafter er gewesçn ist. 
Die soeben angeführten Sätze werden dadurch erklärt, dafs die im 
Wachen am meisten unterdrückten Ideen das gröfste Mafs von Energie 
zurückbehalten haben und vermöge derselben in der Traumwelt die 
Oberhand gewinnen. Auch stärkere Eindrücke, bei denen die Hemmung 
im Wachen eine schwache oder langsame war, können Traumbilder her- 
vorrufen, falls sie noch ein ausreichendes Mafs von Energie besitzen. 
Daher kommt es auch, dafs wir viel mehr von traurigen als von freudigen 
Ereignissen träumen: weil die Erinnerung an erstere im Wachen unter¬ 
drückt worden ist, haben sie ihre Energie konzentriert. Diese Erwä¬ 
gungen sind für die an Alpdrücken leidenden Personen wichtig, denn 
wenn sie sich vor dem Schlafengehen den schreckhaften Vorstellungen 
hingeben, so träumen sie sicher nicht davon. Umgekehrt kann man sich 
den Genufs beliebiger Träume verschaffen, wenn man die darauf bezüg¬ 
lichen Eindrücke in sich hervorruft und sofort wieder unterdrückt.
        

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