Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. Alix: Le prétendu sens de direction chez les animaux. Rev. Scientif. 48, No. 17, 24. Okt. 1891
Person:
Ebbinghaus, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14761/1/
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Litteraturbericht. 
auf einer Stelle wärmer oder kälter ist, als auf einer anderen Stelle, so 
ist der Temperatursinn auf der letztgenannten veringert.“ Dies letztere 
ist nun absolut falsch ! Denn, wie Ref. gezeigt hat, sind die topischen 
Differenzen der Temperaturempfindlichkeit unter normalen Verhältnissen 
sehr bedeutend. Um nunmehr nach Verf. die I.-B. zu beztimmen, fängt 
man mit 20—25° an, steigert die Temperatur des Objektes jedesmal um 
0,5 bis 1°, hält den vom Verf. angegebenen mit Wasser gefüllten Kupfer- 
Kolben immer 5 Sekunden lang gegen die Haut, läfst angeben, ob eine 
Temperatur-Empfindung entsteht, und erhält so in kurzer Zeit einen Wert 
für die I.-B. Jeder Sachverständige sieht sofort, dafs bei einem solchen 
Verfahren nicht blofs der physiologische Nullpunkt, sondern auch die 
Empfindlichkeit der Nerven selbst fortwährend verändert wird. Dieses 
fehlerhafte Vorgehen zusammen mit der irrtümlichen Anschauung des 
Verf., dafs die Hautstellen gleichwertig seien — er sagt geradezu, dais 
nach seiner Ansicht die von Notnagel aufgestellte örtliche Reihenfolge 
der Unterschieds-Empfindlichkeit nicht mit den wahren Verhältnissen 
übereinstimme — lassen den Wert seiner Methode in sehr zweifelhaftem 
Lichte erscheinen. Goldscheider (Berlin). 
E. Alix. Le prétendu sens de direction chez les animaux. Bev. Scientif. 
48. No. 17. (24. Oktbr. 1891). 
Verf. leugnet — und sicher mit Hecht — das Vorhandensein eines 
hin und wieder behaupteten besonderen Orientierungssinnes der Tauben, 
Hunde, Pferde u. s. w. Beobachtet man die Tiere, wenn sie sich an un¬ 
bekannten Orten zu orientieren und nach Hause zurückzufinden suchen, 
so sieht man, dafs sie sich gerade so verhalten, wie es der Mensch in solchem 
Palle thun würde. Natürlich nicht wie der civilisierte Mensch, der 
in der vollen Ausnutzung seiner natürlichen Fähigkeiten nicht geübt ist, 
sondern etwa so wie der Wilde : sie probieren und tasten herum, vielfach 
vergeblich aber unermüdlich, und achten dabei mit gröfster Schärfe auf 
jeden Anhaltspunkt, der sich ihrem Gesicht, Gehör, Geruch etwa dar¬ 
bietet. Ebbinghaus. 
L. Edinger. Giebt es central entstehende Schmerzen? Deutsche Zeitsehr. 
f. Nervenheilkunde, Bd. I, Heft 3 u. 4. 
Ob eine innere Reizung centraler Leitungsbahnen Schmerz erzeugen 
kann, welcher in der Peripherie lokalisiert wird, ist immer noch strittig. 
Es giebt aus der menschlichen Pathologie nur einige ganz vereinzelte 
und noch nicht einmal eindeutige Beobachtungen hierfür. Verf. teilt 
nun einen genau beobachteten und untersuchten Pall mit, welcher geeignet 
ist, diese Präge in bejahenden Sinne zu erledigen. Eine 48jährige Frau 
wurde im November 1886 von einem apoplektischen Insult befallen, 
welcher eine Lähmung des rechten Arms und Beins und sehr heftige 
Schmerzen in den gelähmten Gliedern mit Hyperästhesie hinterliefs. 
Letztere blieben bestehen, während sich die Lähmung besserte, ja sie 
steigerten sich zu so furchtbarer Höhe, dafs die Kranke im Oktober 1888 
einen Selbstmord beging. Die anatomische Untersuchung des gehärteten 
Gehirns auf Schnitten ergab einen Herd alter Erweichung, welcher im 
Thalamus opticus und zwar im äufseren Kern desselben gelegen war und
        

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