Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schnitte durch das centrale Nervensystem des Menschen: Gefertigt, photographiert und erläutert. Berlin, Speyer und Peters, 1892
Person:
Kronthal, P.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14728/1/
Litter aturbericht. 
203 
auch „Minne“ bei Eckhabt geradezu terminologisch dienen, den fehlenden 
Ausdruck für das, was wir Gefühl nennen, leidlich zu ersetzen. Die beiden 
folgenden Abhandlungen beschäftigen sich mit Bubidan, seiner Auffassung 
der Willensfreiheit und den Anfängen der psychischen Mechanik bei ihm. 
Siebeck nennt Bubidan den eigentlichen psychologischen Fachmann unter 
den Scholastikern, der die Probleme der inneren Erfahrung eigentümlich 
durchdachte und wie die Wahrnehmung so auch das Wollen nicht ohne 
Erfolg zum Gegenstände seiner Forschung machte. Buridan unter¬ 
scheidet den Trieb vom Begehren und Wollen, im Willen ein aktives 
und ein passives Element; er bezeichnet den engen Zusammenhang 
zwischen Vorstellen und Wollen; Wille ist ihm nicht eine vom Intellekt 
verschiedene Kraft, sondern nur eine andere Thätigkeitsrichtung der 
einheitlichen Seele. Gegen Überweg konstatiert Siebeck, dafs Bubidan 
die Frage der Willensfreiheit nicht unentschieden gelassen, sondern dem 
Willen die Thätigkeit zugeschrieben hat, den Intellekt zu leiten und sich 
praktisch nach Willkür zu bestimmen, während die Tiere determiniert 
sind. Die Freiheit der Willkür dient der ethischen Freiheit als ihrem 
Ziele, in der dann der Intellekt die Herrschaft über den Willen übt. 
Endlich werden noch bei Bubidan Grundlagen zur Assoziationspsycho¬ 
logie nachgewiesen. Es findet sich bei ihm eine Reihe von feinen Be¬ 
obachtungen über die Enge des Bewufstseins, die gegenseitige Hemmung 
von Empfindungen, die Wirkungen des Kontrastes, eine Farbenlehre, die 
als Vorläuferin der GoETHESchen bezeichnet werden darf. Die Frage, 
wie diese Theorien weiter gewirkt haben auf die Späteren, bezeichnet 
Siebeck als eine bedeutsame Aufgabe weiterer Forschung. 
A. Lasson. 
P. Kronthal. Schnitte durch das centrale Nervensystem des Menschen. 
Gefertigt, photographiert und erläutert. 18 Tafeln mit 29 Heliogra¬ 
vüren nach Original-Negativen und erläuterndem Text. Berlin, Speyer 
und Peters 1892. Folio. (Selhstanzeige). 
Es war schon seit lange meine Absicht, die Photographien einer 
gröfseren Anzahl von seltenen und besonders instruktiven Schnitten durch 
das centrale Nervensystem des Menschen zu veröffentlichen. Die betref¬ 
fenden Schnitte zeichneten sich nämlich einerseits durch die Richtung 
aus, in der sie geführt waren, andererseits durch die Gröfse. Was das 
Erste betrifft, so wurden die Schnittebenen so gewählt, dafs eine ganze 
Bahn oder ein möglichst grofser Teil derselben in den Schnitt fiel — 
die Bahn der Pyramiden, der Schleife, der columnae posteriores fornicisj 
der commissura posterior, der columnae anteriores fornicis, der commis- 
sura anterior, der brachia conjunctiva und der austretenden Hirnnerven 
ist dargestellt — bezüglich des zweiten Punktes ist mir nicht bekannt, 
dafs mit Ausnahme des Atlas von Luys je Schnitte durch das ganze Ge¬ 
hirn durch ein photographisches Verfahren veröffentlicht worden sind. 
Im LuYsschen Atlas sind aber die Photographien sehr detaillos ; ob 
dies an den Präparaten oder an der photographischen Technik gelegen 
hat, ist schwer zu beurteilen.
        

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