Bauhaus-Universität Weimar

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Karl L. Schaefer. 
vertikalen Mittellinie der Seitenwände ihr Minimum hat. Es 
wurden nun die Versuche stets so eingerichtet, dafs das Ver¬ 
suchsobjekt hei einem etwaigen Gegenlaufen gegen die Drehung 
sich der Mittellinie nähern mufste, also mit anderen Worten 
gerade bei dieser Bewegungsrichtung die günstigsten Chancen 
für ein etwa angestrebtes Paralysieren der passiven Bewegung 
gefunden hätte. Indessen zeigte sich diese Sichtung durchaus 
nicht bevorzugt. Die Tiere liefen vielmehr viel häufiger direkt 
aufwärts bezüglich abwärts, oder der nächsten Kante zu, oder 
gar mit der Drehung, oder rührten sich, in eine Ecke ver¬ 
krochen, überhaupt nicht. 
Dies giebt den Anlafs zu folgender Überlegung. Ent¬ 
sprechend. der bisher von anderen den Eesultaten der Dreh¬ 
versuche an Vertebraten gegebenen Auslegung würde die 
Gegendrehung als eine beabsichtigte, überlegte Handlung, 
die Kompensation der unangenehm empfundenen Sotation 
bezweckend, anzusehen sein. Wenn aber überhaupt, so kann 
die Drehung nur durch die Verschiebung gewisser Körperteile 
gegeneinander, welche sie im Gefolge hat, zur Wahrnehmung 
kommen und mufs daher von den ruhenden wie von den an 
den Seitenwänden umherlaufenden Tieren percipiert werden. 
Warum reagieren denn diese nicht auch mit Gegendrehung? 
Sollte man ferner nicht annehmen, dafs Fliegen, wenn die 
passive Sotation sie zur Flucht triebe, an Stelle des andauernden 
Kreislaufes eher von dem bequemeren und gewohnteren Hiilfs- 
mittel des Wegfliegens Gebrauch machen würden? Fortfliegen 
wurde aber nur, und auch dann nicht regelmäfsig, bei plötz¬ 
lichem, ruckendem Beginn rascher Drehung beobachtet, wobei 
die Fliege auch einfach durch die Schwungkraft abgeschleudert 
sein kann. Langsamer, sozusagen einschleichender Beginn der 
Drehung hat nie Wegfliegen zur Folge. Schliefslich wäre noch 
das zu bedenken, dafs ein fortdauernder Anreiz zur Flucht 
doch auch eine ununterbrochene Eeaktion hervorrufen müfste. 
Diesen Charakter trägt aber die Gegendrehung der Fliegen 
keineswegs immer. Nicht selten macht eine Fliege öfter Halt, 
um die Flügel erst zu putzen. Andere laufen überhaupt nur 
in Absätzen, ebenso wie man es an ihnen so oft in der Freiheit 
sieht: Es wird eine kleine Strecke durchlaufen, dann plötzlich 
inne gehalten, mit dem Eüssel rekognosziert, eilfertig weiter 
gelaufen, wieder pausiert u. s. f. Kurz es machen alles in allem
        

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