Bauhaus-Universität Weimar

Eine Beobachtung über das indirekte Sehen. 
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In einem nur durch eine Gasflamme erleuchteten Zimmer 
befindet sich, seitlich von der Gesichtslinie des Beobachters 
und ca. 1,5 m von ihm entfernt ein schwarzer, rings ge¬ 
schlossener Blechkasten, in welchem eine Gasflamme brennt, 
und dessen vordere, dem Beobachter zugekehrte Seite einen 
kreisrunden, durch eine Milchglasplatte bedeckten Ausschnitt 
von ca. 5 cm Durchmesser hat. Eine lange, innen geschwärzte 
Bohre schützt diese Milchglasplatte an der Vorderseite gegen 
auffallendes Licht. Während ich nun einen beliebigen Punkt 
der gegenüberliegenden Wand fixiere — gleichviel, ob mit 
einem Auge oder mit beiden, der Versuch gelingt in beiden 
Fällen —- und dabei meine Aufmerksamkeit auf die indirekt 
gesehene Milchglasplatte richte, die sich als helle Scheibe 
von ihrer Umgebung deutlich abhebt, schliefse ich plötzlich 
den Hahn der das Zimmer erleuchtenden Gasflamme und 
sofort wird mein ganzes Gesichtsfeld dunkel; die Stelle, an 
der sich die helle Scheibe befindet, unterscheidet sich nicht 
von dem übrigen Gesichtsfeld. Ein Nachbild habe ich nie 
gesehen. Die leichteste Bewegung der Augen beendet die 
Erscheinung; aber auch wenn es dem Beobachter gelingt, 
die Augen ganz unbewegt zu halten, dauert sie nicht länger 
als einige Sekunden an (bei mir bis 7 Sekunden); dann wird 
die helle Scheibe allmählich wieder sichtbar. Die Lage der 
Scheibe im Gesichtsfeld scheint nicht ganz ohne Bedeutung zu 
sein; zwar gelingt der Versuch, wo sie sich auch befindet, 
wenn sie nur nicht gar zu dicht an die Gesichtslinie heranrückt, 
am besten konnte ich jedoch die Erscheinung beobachten, 
wenn die Scheibe in der unteren Hälfte des Gesichtsfeldes 
(ca. 20° und mehr unterhalb des Eixierpunktes) sich befand. 
Weitere Versuche haben dann gezeigt, dafs es gar nicht 
notwendig ist, das ganze Zimmer zu verdunkeln, dafs vielmehr 
die plötzliche Verdunkelung einer einzelnen Fläche genügt. 
Als solche diente ebenfalls die eine transparente Wand eines 
im übrigen undurchsichtigen gröfseren Kastens, der im Inneren 
durch eine von aufsen regulierbare Gasflamme erleuchtet wurde. 
Je gröfser die transparente Fläche gewählt wird, desto leichter 
ist die Erscheinung zu beobachten, dies ist aber auch dann 
noch möglich, wenn die Fläche nur ebenso grofs ist, als die 
Milchglasplatte. Man braucht die helle Fläche übrigens nicht 
zu fixieren; auch beim plötzlichen Verdunkeln einer indirekt
        

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