Bauhaus-Universität Weimar

Die Baumanschauung und die Augenbewegungen. 
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Um das Verhältnis verschiedener Gebirgsformationen kennen 
zu lernen, mufs ich vielleicht sogar weite Reisen unternehmen. 
Daraus schliefst doch niemand, dafs wir den Unterschied zweier 
Farben nach Augenbewegungen oder die Verschiedenheit von 
Grebirgsformationen nach der Länge und Schwierigkeit von 
Eisenbahn- oder Dampfschiffahrten bemessen. 
Aber auch daran ist kein Zweifel, dafs wir Raumgröfsen 
nach Augenbewegungdn bemessen. Rur nicht Raumgröfsen 
innerhalb des Sehfeldes. Das Sehfeld, d. h. der Inbegriff dessen, 
was wir in einem Momente sehen, ist ja nicht der Raum 
unseres Bewufstseins, sondern nur ein Teil desselben. Zu ihm 
hinzu tritt die mich umgebende räumliche Welt, die ich sehe, wenn 
ich mein Auge aus seiner jetzigen Lage herausbewege, weiter¬ 
hin den Kopf und schliefslich meinen Körper drehe. Von diesem 
„Blickfeld“ oder Raum der möglichen Gesichtswahrneh- 
mung bildet das Sehfeld oder der Raum der in einem Augen¬ 
blick wirklichen Gesichtswahrnehmung einen Ausschnitt. 
Vermöge der Bewegungen des Auges, ebensowohl des Kopfes 
und Körpers verschiebt sich das Sehfeld innerhalb dieses Blick¬ 
feldes, es gewinnt in ihm bald diese, bald jene Lage ; und es 
ist kein Zweifel, dafs wir diese Lagen und Lagenverschiebungen 
des Sehfeldes im Blickfeld nach der Lage und den Bewegungen 
des Auges, freilich nicht minder des Kopfes und Körpers be¬ 
messen, dafs uns die Gröfse solcher Bewegungen davon Kunde 
giebt, wie weit das Sehfeld eines Momentes sich von einer 
gewissen mittleren Lage innerhalb des Blickfeldes nach rechts 
oder links, nach oben oder unten verschoben hat. Wiederum 
aber hat mit diesem Bewufstsein der Lage des Sehfeldes im 
Blickfeld das Bewufstsein der relativen Lage der Punkte des 
Sehfeldes zu einander oder kurz die Ausmessung des Sehfeldes 
nichts zu thun. Wenn ich mich drehe, während die Objekte 
in Ruhe bleiben, so verschiebt sich das Sehfeld im Blickfeld 
beständig. Dagegen bleibt das räumliche Verhältnis der Punkte 
des Sehfeldes zu einander wie es ist. 
Ich betone hier diesen Gegensatz zwischen Lage und Aus¬ 
messung des Sehfeldes so sehr, weil Wundt in diesem Punkte 
wiederum eine Verwechselung begegnet. Er gewinnt daraus 
seinen ersten speziellen Beweis für seine Theorie. Wird, so er¬ 
fahren wir (Physiol.Psychologie, 3. Auf!., II.,114f.) der äufsere gerade 
Augenmuskel, etwa infolge einer Verletzung, plötzlich wirkuugs-
        

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