Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kürzeste Linien im Farbensystem: Auszug aus einer Abhandlung gleichen Titels in Sitzgsber. der Akademie zu Berlin. 17. Dezember 1891
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14711/3/
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H. v. Helmholtz. 
welche, wenn sie sich weiter bestätigt, dieselbe Rolle für das 
Bereich der Farbenempfindnngen spielen würde, wie die Formel 
für die Länge des Linienelements in der Geometrie. Ich habe 
darin versucht, den Grad der Deutlichkeit zweier Farben an¬ 
zugeben, die sich gleichzeitig in den Quanten aller drei Grund¬ 
farben von einander unterscheiden, welche in ihre Zusammen¬ 
setzung eingehen, also gleichzeitig sich in Helligkeit und in der 
Qualität unterscheiden können, während bisher nur diejenige 
Seite des Gesetzes durchgearbeitet war, welche sich auf Hellig¬ 
keitsunterschiede allein, bei unveränderter Qualität, bezieht. 
Die auf Newtons Mischungsgesetz begründeten bisherigen 
Definitionen der Farben definiren eigentlich nur diejenigen 
Mischungen objectiven Lichts, durch welche die besonderen 
einzelnen Empfindungen erregt werden können, und Newtons 
Gesetz selbst bestimmt nur die Verhältnisse der Aequivalenz 
verschiedener Mischungen objectiver Lichter in dieser Beziehung. 
Auf dem hier einzuschlagenden neuen Wege würden wir 
dagegen zu einer Ausmessung des Systems der Farbenem¬ 
pfindungen gelangen, die nur auf die Unterschiede der Em¬ 
pfindungen gebaut ist. Dabei zeigt sich allerdings eine Über¬ 
einstimmung beider Arten der Ausmessung in den grofsen 
Zügen, aber mit Vorbehalt kleinerer Differenzen in Einzelheiten, 
die auch schon zum Theil von den Beobachtern bemerkt waren. 
Wie die Geometrie des Raumes mit dem Begriff der 
kürzesten Linie zwischen zwei Puncten beginnt, so werden wir 
durch die neue Grundformel in den Stand gesetzt, diejenigen 
Reihen von Üebergangsfarben zwischen zwei gegebenen End¬ 
farben verschiedener Qualität und Quantität zu finden, für 
welche die Summe der wahrnehmbaren Unterschiede ein Mini¬ 
mum ist, welche Reihen also den kürzesten Linien im Farben¬ 
system entsprechen würden. Ich werde mir erlauben, für sie 
den Namen der kürzesten Farbenreihen zu brauchen. 
Da eine vollständig genaue Formel für die Sichtbarkeit 
der reinen Helligkeitsunterschiede, wie sie annähernd Fechneks 
Gesetz giebt, noch nicht gefunden ist, will ich mich auf den 
Gebrauch der von Fechnek selbst noch gegebenen späteren 
Formel beschränken, wonach die Deutlichkeit des Unterschiedes 
von dem Bruche -r—r T abhängt, wenn J und (J -f- dJ) die 
beiden zu vergleichenden objectiven Lichtmengen sind, A eine
        

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