Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kürzeste Linien im Farbensystem: Auszug aus einer Abhandlung gleichen Titels in Sitzgsber. der Akademie zu Berlin. 17. Dezember 1891
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14711/12/
Kürzeste Linien im Farbensystem. 
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entsprechen, der auf gleicher Seite der Gegenfarbe liegenden 
Urfarbe sich nähern, wenn man nach den ähnlichsten gesättigteren 
lichtstarkeren Farben sucht. 
Dies führt uns auf eine von W. v. Bezold 1 und E. Brücke 2 
beschriebene Erscheinung. Beide haben nämlich gefunden, 
dafs aus einem gut gereinigten Spectrum von mäfsiger Länge, 
in dem man aber die stärkeren FRAUNHOFERschen Linien noch 
gut sehen kann, bei allmählicher Abschwächung die gelben und 
die cyanblauen Farbentöne ganz verschwinden, und dafs zwischen 
ihnen schliefslich nur drei Farben, Both, Grün und Violettblau, 
stehen bleiben. Die genannten Autoren haben damals auch 
schon den Schlufs gezogen, dafs die genannten drei Farben die 
physiologischen Grundfarben sein müssen, indem sie diejenigen 
Empfindungselemente einer gemischten Empfindung, die die 
Beizschwelle nicht überschreiten, als unwirksam auch in der 
gemischten Empfindung betrachten. Es ist dies eine Betrach¬ 
tungsweise, die der hier eingeschlagenen wesentlich verwandt ist. 
Mischungen mit Weifs. Aehnliche Abweichungen, wie 
die bisher besprochenen zwischen dem Farbentone einer licht¬ 
schwachen und lichtstarken Farbe von gleicher objectiver Qua¬ 
lität, kommen auch zwischen denen einer isolirten gesättigten 
Farbe und deren Mischung mit sehr vielem Weifs vor.3 
Wenn Weifs und eine Mischung dieses Weifs mit einer kleinen 
Menge einer Spectralfarbe als gegeben nach ihrem Orte in der 
Farbenpyramide angesehen werden, so läfst sich die kürzeste 
Farbenreihe, die durch die beiden Puncte führt, construiren. 
Diese wird gegen einen Theil der Oberfläche der Farbenpyra¬ 
mide hin gerichtet sein, an der die gesättigten Farben derselben 
Beihe liegen, als deren stark mit Weifs verdünnte Modification 
die gegebene Mischung erscheint. 
Dabei ist zu bemerken, dafs, wenn man zu dem Weifs reine 
Urfarben mischen könnte, die Verbindungslinie beider eine der 
entsprechenden Coordinataxe parallele Gerade werden würde, 
Welche selbst eine kürzeste Farbenreihe ist und ihre Bichtung 
W. y. Bezold, Über das Gesetz der Farbenmischung und die phy¬ 
siologischen Grundfarben. Fogg. Ann. Bd. 150. S. 237—239. 1873. 
5 E. Brücke, Über einige Empfindungen im Gebiete des Sehnerven. 
Wiener Sitzungsber. Abth. III., Bd. LXXVII. 1878. F ehr. 28. 
3 Auch schon von W. vox Bezold erwähnt. Poqg. Ann. Bd 150 
S. 243. 1873.
        

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