Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Noiszewski: Der Elektrophthalm, Ein Apparat zur Wahrnehmung der Lichterscheinungen mittelst des Temperatur- und Lokalisationsgefühls. Centralbl. f. Nervenheilk. u. Psychiatrie, Intern. Monatsschr. Januar 1891, S. 10
Person:
Peretti
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14658/1/
Litteraturbericht. 
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jeden Beobachter leicht so geschoben werden kann, dafs die Gesichts¬ 
felder beider Augen gerade aneinander grenzen und so leicht der geringste 
Unterschied beobachtet werden kann. 
Sowohl bei künstlicher Anisometropie, welche durch Vorsetzen von 
Gläsern vor ein Auge erzeugt wurde, als bei natürlicher Anisometropie 
liefs sich durch Untersuchungen nach dieser Methode auf das exakteste 
darthun, dafs auch nicht eine Spur von ungleicher Accommoda¬ 
tion sich erzwingen läfst. 
Der Umstand, dafs Anisometropen vollkommenes binokulares Sehen 
besitzen, so dafs der ÜERiNGSche Fallversuch bestanden wird, erwies sich 
als richtig. Die Thatsache ist jedoch nicht auf den Ausgleich des 
Accommodationsunterschiedes durch ungleiches^Accommodieren auf den 
Fixierpunkt zu erklären, denn auch in den Fällen, bei welchen ein 
solcher Ausgleich unmöglich ist, wenn nämlich der Fixierpunkt sich 
jenseits des Fernpunktes eines Auges befindet, findet das vollkommene 
Binokularsehen statt. 
Noiszewski. Der Elektrophthalm, ein Apparat zur Wahrnehmung der 
Lichterscheinungen mittelst des Temperatur- und Lokalisations- 
gefühls. Centralbl. f Nervenheilk. u. Psychiatrie; Intern. Monatsschr., 
Januar 1891. S. 10. 
Ausgehend von dem Wunsche, denjenigen Blinden, die entweder 
der Augen ganz beraubt sind oder die den Unterschied zwischen hell 
und dunkel nicht mehr wahrnehmen, die Möglichkeit zu verschaffen, 
sowohl die Licht ausstrahlenden, wie auch die beleuchteten und dunklen 
Körper aus der Entfernung durch das Gefühl zu erkennen, stellte sich 
Verfasser die Aufgabe: 1. „den Blinden in jedem Falle es wissen zu 
lassen, dafs ein leuchtender, beleuchteter oder dunkler Körper vor ihm 
steht oder aufzutauchen beginnt; 2. ihm die Möglichkeit der Lokalisation 
solcher Körper im Zustande der Kühe sowohl, wie auch der Bewegung 
zu geben, so dafs er jederzeit im stände sei, sowohl die Richtung der 
Fortbewegung des Körpers anzugeben, als auch das Näherkommen des¬ 
selben von dessen Entfernung zu unterscheiden.“ 
Zur Lösung dieser Aufgabe verwertete Verfasser die Eigenschaft des 
Selen, unter der Einwirkung von Licht eine Steigerung der Elektrizitäts- 
leitungsfähigkeit zu erfahren, und konstruierte einen von ihm Elektroph¬ 
thalm genannten Apparat, der eine Art Camera obscura mit einer bikon¬ 
kaven Linse und einer dreiteiligen Hinterwand darstellt. Letztere wird 
gebildet aus 1. einem dünnen, runden, siebartig durchlöcherten Metall¬ 
plättchen mit Metalleinfassung, welche zur Zuleitung eines elektrischen 
Stromes auf das Metallsieb dient; 2. einer der Rückseite des Siebes fest 
anliegenden dünnen Selenplatte, und 3. einer aus feinen, von einer Isolier¬ 
schicht bedeckten Golddrähtchen bestehenden, der Rückseite der Selen¬ 
platte fest anliegenden Bürste. Dieser Apparat wird über der Nasen¬ 
wurzel auf der Stirn so befestigt, dafs die freien Enden der Golddrähtchen 
die Haut dieser Stelle, die bekanntlich hinsichtlich der Temperatur und 
Lokalisation sehr empfindlich ist, berühren; von einem leuchtenden oder 
beleuchteten Gegenstand wird nun durch die Linse ein umgekehrtes und 
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