Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
M. Dessoir: Experimentelle Pathopsychologie. Vierteljahresschr. f. wiss. Philosophie XV, 1 u. 2, 1891, S. 59-106 u. 190- 209
Person:
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Litteraturbericht. 
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Fehler macht. Ferner wird das Augenmafs untersucht durch Halbieren¬ 
lassen einer Strecke von 80 cm, durch Ahschätzen, wie oft eine kleinere 
Strecke in einer danebengelegenen grofsen Strecke enthalten ist, und 
durch Reproduzierenlassen beliebiger Strecken nach fünf Sekunden. Die 
Bewegungsempfindungen werden durch einen besonders dazu konstruierten, 
in Schienen laufenden Metallwagen, der mit dem Zeigefinger geführt 
wird, geprüft. Dann wird noch der eben merkbare Gewichtsunterschied 
in beiden Händen festgestellt, ferner die Genauigkeit der Schalllokalisation 
bestimmt, indem untersucht wird, um wieviel Winkelgrade eine Schall¬ 
quelle in einer Richtung verschoben werden mufs, damit die Verschiebung 
bemerkbar wird, und schliefslich bei gegebener Grundlinie ein gleich¬ 
seitiges Dreieck und ein Quadrat aufgezeichnet. 
Zur Untersuchung einer einzigen Person gebraucht man ohne Hülfe 
fast eine Stunde ; bei Unterstützung durch Assistenten und Untersuchung 
mehrerer Personen, wobei die nötigen Erklärungen für alle auf einmal 
gegeben werden, können zehn Personen in zwei Stunden untersucht 
werden. Bei Schulen genügt es, zehn Knaben aus jeder Klasse zu 
nehmen, und so läfst sich eine Schule bei täglich zweistündiger Unter¬ 
suchung in etwa 14 Tagen hinreichend psychologisch untersuchen. 
Peketti (Merzig). 
M. Dessous. Experimentelle Pathopsychologie. Vierteljahresschr. f. miss. 
Philosophie. XV, 1 u. 2 (1891). S. 59—106 u. 190—209. 
D. beginnt mit einer Rechtfertigung der hypnotischen Experimente. 
Referent möchte gegen dieselbe nur einwenden, dafs keineswegs, wie 
D. behauptet, „alle Sachkenner“ darin übereinstimmen, dafs die Einleitung 
hypnotischer Zustände „nicht die mindesten Gefahren bietet“. Im Gegen¬ 
teil haben sehr kompetente Beurteiler (Meynert, Binswanger u. a. m.) auf 
gewisse schwerwiegende Gefahren — auch bei richtiger Technik und 
medizinischer Vorbildung des Experimentierenden — aufmerksam gemacht. 
FreUich sind diese Gefahren nicht so grofs, dafs man auf jene Versuche 
völlig verzichten müfste, keineswegs jedoch darf man sie ignorieren. 
Die weiteren Erörterungen des Verfassers schliefsen sich an das 1889 
erschienene Buch Janets: „Vautomatisme psychologique“ an. Das Resultat 
derselben ist zunächst, dafs D. „die experimentelle Untersuchung der 
Psyche unter veränderten Bewufstseinsverhältnissen“ als einen besonderen 
Wissenschaftsbezirk der Gesamtpsychologie herausgreifen möchte; er 
schlägt für diesen Zweig zunächst den Namen „experimentelle Patho- 
psychologie“ vor. Dem Referenten erscheint der Gegensatz, welchen 
D. zwischen seiner „experimentellen Pathopsychologie“ und einerseits 
der Psychopathologie des Psychiaters, andererseits der experimentellen 
Psychologie unter normalen Bewufstseinsverhältnissen zu konstruieren 
sucht, durchaus künstlich. Die vermeintlich neue Wissenschaft stellt 
einfach ein längst bekanntes, neuerdings mehr bearbeitetes Übergangs¬ 
gebiet zwischen der Psychologie des Geistesgesunden und der des Geistes¬ 
kranken dar. 
Ein zweites Kapitel ist der Rechtfertigung der Annahme un- 
bewufster oder unterbewufster psychischer Vorgänge gewidmet. Über¬ 
zeugend sind die Argumente des Verfassers in keiner Weise. Die S. 73 o.
        

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