Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bemerkungen zu dem Aufsatze von Dr. Sommer "Zur Psychologie der Sprache". S. diese Zeitschrift, Bd. II, S. 143
Person:
Pick, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14646/4/
Bemerkungen „Zur Psychologie der Sprache“. 
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Erscheinungen gebessert, zeigt sich später, neben Abnahme des 
Gedächtnisses, dafs er weder Gedrucktes noch auch von ihm 
selbst Geschriebenes lesen kann; die Untersuchung ergiebt nun, 
dafs er fremde oder eigene Schriftzeichen, denselben mit dem 
Einger nachfahrend oder sie auch in der Luft zeichnend, lesen 
kann,, was Charcot so deutet, dafs der Kranke „schreibend 
liest“. Der Kranke sagt selbst: Ich lese Gedrucktes schlechter 
als Geschriebenes, parceque pour l’écriture il m’est facile de 
reproduire mentalement la lettre avec la main droite, 
während das für Druckschrift viel schwieriger ist ; wichtig ist 
noch folgende Angabe: 
En lisant l’imprimé le malade ne meut pas ses lèvres, ne 
parle pas à voix basse, bien que ce soit son habitude dans 
l’état de la santé. 
In dem Kommentare dazu, sagt Charcot: Wenn der Kranke 
liest, so kann er das mit Hilfe eines Kunstgriffs; die Reihe 
von Bewegungen, welche die graphischen Bewegungsvorstel¬ 
lungen eines Buchstaben, eines Wortes ausmachen, erweckt 
allein bei ihm die klare Erinnerung an diesen Buchstaben oder 
das Wort.1 
In einem von Skwortzofe [De la cécité et de la surdité des 
mots, 1881, S. 46) mitgeteilten Falle heilst es von der mit rechts¬ 
seitiger Hemiplegie und Aphasie behafteten Kranken: Invitée 
à nommer des objets .... elle indique leur usage sans pouvoir 
désigner leurs noms. Un instant après elle dit le nom de la 
plupart des objets qui sont devant elle et pour quelques-uns 
d’entre eux il suffit de dire la première syllabe pour qu’elle se 
rappelle le mot tout entier, und dann heifst es : Parfois la 
malade reconnaissait les lettres en les traçant avec son doigt. 
Hier sind offenbar aufser den graphischen Bewegungsvorstel¬ 
lungen noch andere Komponenten des Wortbegriffes behilflich. 
— Auf Grund dieser und ähnlicher Fälle, die seither mehrfach 
mitgeteilt sind und die darin übereinstimmen, dafs der Kranke, 
„schreibend liest“, und die demnach der von S. aufgeworfenen 
Frage insofern entsprechen, als dabei thatsächlich Erinnerungen 
durch Vermittelung von gewollten Bewegungen wach werden 
1 Binet: La psychologie du raisonnement, 1886, S. 29. En décrivant les 
caractères avec ses doigts, il se donne un certain nombre d’impressions 
musculaires qui sont celles de l’écriture .... l’image motrice graphique 
suggère les sens des caractères écrits an même titre que l’image visuelle. 
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