Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
J. Pikler (Budapest): The Psychology of the belief in objective existence, Part I: Objectives capable of presentation. London, Williams and Norgate, 1890
Person:
Caldwell
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14633/2/
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Litteraturbericht. 
englischen Empiristen und Associationisten zu lösen oder neu aufzubauen 
unternimmt. Es giebt Objektiva (diese betrachtet er in diesem Part I), 
die man zur Vorstellung bringen kann, und andere, die man nicht zur 
Vorstellung bringen kann (zu betrachten in einem versprochenen Band); 
Beispiele der ersteren sind : Intensität von Empfindungen, die äufserliche 
Welt, Erinnerungen, Widerstand u. s. w.; der zweiten: Äther, Kräfte,. 
Götter, der Geist von anderen u. s. w. Der Kern des Buches ist die 
Behauptung, dafs alle Arten von Glauben an objektive Existenz nichts- 
anderes sind, als der Glaube an die Möglichkeit, gewisse Vorstellungen 
durch das Wollen zu bekommen. Piklek findet, dafs die Theorie, die 
seiner eigenen am nächsten steht, die von Mill ist; seine eigene 
kann als ein Versuch betrachtet werden, die MiLLSche zu verbessern; 
beide Theorien, mit der von Hume, seien nur die Entwickelung des 
Fundamental-Gedankens der BERKELEvschen Psychologie; objektive Exi¬ 
stenz ist nicht, wie Mill behauptet, die Möglichkeit von Vorstellungen, 
die abhängig sind vom Vorhandensein „beliebiger denkbarer Gegenstände“, 
sondern von Vorstellungen, deren Erscheinung von nichts anderem ab¬ 
hängig ist, als unserem eigenen Willen. 
Ein weiterer bemerkenswerter Punkt dieses Part I ist eine Analyse 
des Glaubens an gewisse „objektive Attribute unserer Vorstellungen“, 
Ähnlichkeit, zeitliches Verhältnis, Ort, Dauer, Intensität, Ausdehnung, 
Lage, Zahl, deren Psychologie nach Piklers Meinung noch nicht existiert, 
obwohl sie fundamentaler als der Glaube an die Existenz der Aufsen- 
welt oder die des menschlichen Geistes ist. 
Es ist merkwürdig, dafs es Piklek nicht einfällt, seine Theorie des 
Glaubens mit der von Bain (das Verhältnis zwischen Glauben und Han¬ 
deln) in Beziehung zu setzen. Dafs Wirklichkeit Verhältnis zu unserm 
Willen bedeutet, und dafs Glauben und Wollen zwei Seiten desselben 
Actus sind, dürfen wir als ein Prinzip der Psychologie annehmen; 
und insofern Hat Pikler recht, wenn er dafür hält, dafs die Entwicke¬ 
lung des Willens (d. h. die gemachte Erfahrung, welche Vorstellungen 
des Willens wir als Gegenstände derselben bekommen können) nichts 
anderes ist, als die Entwickelung des Glaubens an objektive Existenz, 
und dafs, wenn wir die Fähigkeit der Bewegung nicht besäfsen, wir den 
Glauben an Objektivität nicht haben würden. 
In der Darstellung seiner Theorie des Wollens kritisiert Pikler 
sehr scharf und verwirft er Wundts Apperceptionslehre [seine Kritik 
ist kaum eingehend genug]; er verspricht in Part II eine Kritik von 
Dr. Wards Lehre des psychischen Subjektes. Es wird von Wichtigkeit 
sein, zu sehen, wie er den Glauben an unvorstellbare Objektiva (die 
Seele z. B.) mit seiner Theorie vereinigt, dafs Objektivation Veranschau¬ 
lichung durch das Wollen bedeutet. Caldwell (Edinburgh). 
Kichard Avenarius. Kritik der reinen Erfahrung. Bd. II. Leipzig, Keis- 
land, 1890. 500 S. 
Kichard Avenarius hat nunmehr den zweiten Band seiner „Kritik 
der reinen Erfahrung“ herausgegeben. In dem ersten Band hatte er als 
Ausgangspunkt seiner Kritik die Thatsache gewählt, dafs Menschen über
        

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