Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
1. J. Berry Haycraft: Voluntary and reflex muscular contraction. Archiv. de physiol. norm. et patholog., V. Série, III. T., 1891, S. 58 ff., 2. N. Weddenski: Du Rythme musculaire dans la contraction normale, 3. Du Rythme musculaire dans la contraction par l'irritation corticale
Person:
Müller, G. E.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14596/4/
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Litteraturbericht. 
Resultate wie Reizung des Rückenmarkes. Bei Reizung motorischer 
Rindenregionen hingegen liefs sich nur eine kurzdauernde Bewegung 
auslösen, die ihr Ende fand, auch während die Reizung noch fortdauerte, 
und nur den gewöhnlichen Muskelton vernehmen liefs. — 
Wedenski beobachtete die Aktionsströme des erregten Muskels mit¬ 
telst eines Telephons, welches direkt mit dem Muskel verbunden war. 
Er stellt auf Grund seiner Versuche folgende Sätze auf: 
1. Wird ein Muskel von seinem Nerven aus tetanisiert, so stimmt 
die Schwingungszahl des Muskeltones mit der Reizfrequenz überein, falls 
letztere einen gewissen von der Natur des Muskels abhängigen Grenz¬ 
wert nicht übersteigt. Üeberschreitet die Reizfrequenz diesen Grenz¬ 
wert, so antwortet der Muskel mit einem musikalischen Tone, dessen 
Schwingungszahl (um eine Quinte oder Oktave oder 2 Oktaven) hinter 
der Reizfrequenz zurücksteht. Ist die Reizfrequenz sehr bedeutend, so 
erzeugt der Muskel nur noch ein unmusikalisches Geräusch. 
2. Die Ermüdung begünstigt die Transformation des Rhythmus der 
Reizung im Muskel. Giebt ein Muskel bei hoher Reizfrequenz in frischem 
Zustande gerade noch den der Reizfrequenz entsprechenden Ton, so 
wird bei fortdauernder Reizung infolge der Ermüdung der Ton sehr 
bald tiefer, und zuletzt hört man nur ein Geräusch. 
3. In gleichem Sinne wie die Ermüdung wirkt eine Abschwächung 
der Reizstöfse. 
4. Die vorerwähnten Erscheinungen zeigen sich auch dann, wenn 
der Muskel an der Verkürzung verhindert ist. 
5. Der durch die elektrischen Oseillationen des tetanisierten Mus¬ 
kels im Telephon ausgelöste Ton stimmt stets mit dem durch die 
mechanischen Schwingungen des Muskels ausgelösten Tone überein. 
6. Prüft man mittelst des Telephons die elektrischen Vorgänge, die 
sich während einer Reizung in den motorischen Nerven abspielen, so 
findet man, dafs der motorische Nerv die Transformation des Rhythmus 
der Reizung nur bei sehr schwacher oder erst nach Beginn des Ab¬ 
sterbens stattfindender Reizung zeigt. Reizt man z. B. den Nerv des m. 
gastrocnemius eines Frosches mit maximalen Induktionsschlägen in 
einem Rhythmus von 250 Schlägen in der Sekunde, so beantwortet der 
Muskel diese Reizung mit einem transformirten Rhythmus, der sich bei 
Fortdauer der Reiznng infolge der Ermüdung in der oben angegebenen 
Weise allmählich modifiziert, während der Nerv fortfährt dem Muskel 
250 Impulse in der Sekunde zuzusenden. Es entspricht der Unermüd¬ 
barkeit der Nerven, dafs der oben erwähnte Einflufs der Ermüdung auf 
die Transformation des Rhythmus nicht in dem Nerven, sondern nur in 
dem peripherischen Apparate (dem Muskel nebst motorischen Nervenend- 
apparaten) seinen Grund hat. 
7. Aus Vorstehendem ergiebt sich, dafs es unrichtig ist, aus dem 
Rhythmus der Oseillationen der natürlichen Kontraktion eines Muskels 
auf den Rhythmus der Erregungen der betreffenden Nervencentren zu 
schliefsen. Thatsächlich ist die natürliche Muskelkontraktion 
anzusehen als eine Kontraktion, welcher eine hohe Frequenz
        

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