Bauhaus-Universität Weimar

den Boden des Auges vereinigt fallen, auch wiederum 
Unter dem Felben Winkel, unter welchem lie auffieien, 
von der fehr glatten, tieffchwarzeu Bodenflache des Au¬ 
ges als von einer Spiegelfläche zurückgeworfen wer¬ 
den und aufserhalb des Auges genau an dem Orte, wo¬ 
her fle kamen, ein dem Körper felbft, wovon fie ka¬ 
men, an Ausdehnung, Lage und Farbe genau entspre¬ 
chendes Bild dari'tellen muffen. 
Hierauf aufmerkfam zu machen, ift der Zweck 
diefer Abhandlung, und es würde mir äufserft ange¬ 
nehm feyn, wenn das Urtheil wahrheitfuchender Natur- 
forfcher das Gefühl in mir betätigen Sollte, dafs ich 
dadurch eine Wahrheit ans Licht gezogen hätte, wel¬ 
che Jahrhunderte hindurch der Beobachtung fo nahe 
und dennoch‘bis zu diefem Augenblick der Erkenntnis 
entrückt war. 
Zuerft will ich die Schwierigkeiten, welche mit 
der bis jetzt allgemein angenommenen Hypothefe ver¬ 
bunden find, beleuchten, dann werde ich zeigen, wie 
alle diele Schwierigkeiten durch die von mir aufge- 
Bellte Anficht völlig gehoben werden, und endlich 
noch 'die Frage berühren, wie das Bild der Gegenstände 
aufser uns zur innern Anfchauung komme? 
Die am erften indie Augen fallende Schwierigkeit* 
welche mit der altern Anficht verbunden ift, ift ohne 
Zweifel wohl die, dafs das Bild im Auge eine umge¬ 
kehrte Stellung habe. Diele Schwierigkeit nun Such¬ 
ten die Phylioiogen durch den Vernunftfchlul’s zu heben, 
dafs, weil alle Bilder im Auge diele umgekehrte Stellung 
hatten, das Vorfteliungsvermögen diele Umkehrung 
nicht wahrnehmen könne, und fich alfo alles als auf¬ 
recht denken muffe. Diefe Erklärung würde aller¬ 
dings richtig feyn, wenn wir nur allein mit dem Ge¬ 
fickte die Stellung der Dinge wahrzunehmen im Stande 
waren, allein da wir aufser dem Geflehte, weiches
        

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