Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
L. Laqueur: Über pseudentoptische Gesichtswahrnehmung. Gräfes Archiv, Bd. XXXVI (1), 1890, S. 62-82
Person:
König, Arthur
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14571/1/
Litteraturbericht. 
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einfall für gewöhnlich dem direkten Sehen kaum nachteilig ist, so 
denkt der Verfasser doch, dafs in gewissen pathologischen Fällen, wo 
der Neigungswinkel sehr von einem rechten ahweieht, ein Einflufs auf 
die Sehschärfe vorhanden ist. Abthür Kökig. 
L. Laqueur. Über pseudentoptische Gesichts Wahrnehmungen. Gräfes 
Archiv, Bd. XXXVI (1) (1890). S. 62-82. 
Als pseudentoptische Gesichtswahrnehmungen bezeichnet der Ver¬ 
fasser die Wahrnehmung äufserer, aber dem Auge sehr naher Objekte 
nach dem Prinzipe der entoptischen Erscheinungen. Nach einer Dar¬ 
stellung der historischen Entwickelung unserer Kenntnis dieser Erschei¬ 
nungen werden vi er verschiedene Methoden besprochen, um ein unmittel¬ 
bar vor dem Auge befindliches Objekt pseudentoptisch wahrzunehmen. 
a. Bei Benutzung eines hellen Hintergrundes (Himmel, Lampen¬ 
glocke etc.) 
1. vermittelst einer kleinen kreisförmigen Öffnung, welche in 
der Gegend des vorderen Brennpunktes des Auges gehalten 
wird. 
b. Bei Benutzung einer möglichst homocentrischen Lichtquelle 
2. vermittelst eines starken Konvexglases, welches in einer 
Entfernung, die gröfser als seine Brennweite, vor dem Auge 
gehalten wird; 
3. vermittelst eines starken Konkavglases in einer beliebigen, 
von seiner Brennweite nicht abhängigen Entfernung; 
4. vermittelst eines starken Konvexglases, welches vor dem 
Auge näher gehalten wird, als seine Brennweite. 
Diese Aufzählung ist insofern unvollständig, als bei einem myo¬ 
pischen Auge auch noch eine Methode benutzt werden kann, bei der 
die unter 1. erwähnte Öffnung weiter als der Pernpunkt vom Auge ge¬ 
halten wird. Der Ort der Öffnung würde in der Methode 1. auch besser 
definirt sein, wenn man ihn als zwischen Nahepunkt und Objekt gelegen 
bezeichnete. 
Der Verfasser sagt, dafs bei Methoden 1., 2. und 3. das Objekt 
umgekehrt, bei Methode 4. aufrecht erschiene. In dieser allgemeinen 
Form ist das aber nicht richtig. Bei 2. und 3. kommt es darauf an, wo 
der Brennpunkt der benutzten Linsen liegt; befindet er sich dem Auge 
näher, als der Punkt, auf den dasselbe accommodiert ist, bezw. accommo- 
dieren kann, was freilich bei 3. wohl stets ^jer Fall, so erscheint das 
Objekt allerdings umgekehrt; befindet er sich aber von dem Auge weiter 
entfernt, und das wird bei myopischen Augen wohl oft Vorkommen, so 
erscheint das Objekt aufrecht. Die Angabe über Methode 4. ist richtig, 
da ein „starkes“ Konvexglas selbst ein aphakisches Auge wohl stets 
myopisch machen wird. 
Der Verfasser hat einen kleinen Apparat, von ihm „Pseudentopto- 
skop“ benannt, konstruiert, mit dem es ungemein leicht ist, die be¬ 
schriebenen Erscheinungen zu beobachten. Der Referent hat selbst 
Gelegenheit gehabt, sich an der Vorzüglichkeit des Instrumentes zu 
erfreuen und mufs gestehen, dafs ihn die Schärfe der mit demselben (bis
        

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