Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Joseph Jastrow: Studies from the Laboratory of Experimental Psychology of the University of Wisconsin. Amer. Journ. of Psychology. Bd. III, 1890, S. 43-58
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14444/1/
Iritteraturbericht. 
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jeder Familie, wie jetzt ein medicinischer, eben auch ein pädagogischer 
Kinderarzt wird zur Verfügung stehen.“ 
Als Pendant zu diesem Buch, welches den Pädagogen medizinische 
Vorstellungen vermitteln soll, ergänzt man sich unwillkürlich ein anderes, 
in welchem der Verfasser von psychiatrisch gebildeten Haus- und Schul¬ 
ärzten eine genaue Kenntnis der Pädagogik und Psychologie der Kinder 
verlangen würde. Sommer (Würzburg). 
Joseph Jastrow. Studies from the Laboratory of Experimental Psycho¬ 
logy of the TJnicersity of Wisconsin. Amer. Joum. of Psychology. 
Bd. Ill (1890). S. 43—58. 
Der Verfasser teilt die Ergebnisse von fünf Experimentalunter¬ 
suchungen seines Laboratoriums mit, welche innerlich durch ihre gemein¬ 
same Beziehung zum psychophysischen Gesetz verbunden sind. Die 
wesentlichen Resultate sind folgende. 
Anknüpfend an die bekannte Thatsache, dafs die Astronomen, dem 
Gesichtseindruck folgend, die Sterne in eine Reihe von Gröfsenklassen 
einordneten, welche bei objektiver Messung sich als geometrische Reihe 
erwies, liefs Jastrow mehrere Versuchspersonen in ähnlicher Weise sechs 
bis neun Gruppen aus mehreren hundert Stäben der verschiedensten 
Länge bilden. Jeder kannte den kürzesten und längsten Stab, sah aber 
bei der Beurteilung stets nur einen Stab, der dann sofort in einen der 
sechs oder neun Beutel gesteckt wurde. Später wurde die Durchschnitts¬ 
länge aller in je einen Beutel zusammengebrachten Stäbe berechnet. 
Es ergab sich, dafs die Reihe dieser Durchschnittslängen sich in hohem 
Mafse einer arithmetischen annäherte, keinenfalls geometrischen Typus 
aufwies. Wurden die Durchschnittswerte aus allen sechsklassigen Ver¬ 
suchen gemeinsam berechnet, so ergab sich als Differenz zwischen den 
sechs Längen, deren kleinste 31,6 mm, deren gröfste 269, 8 mm war: 
46,8 — 49,6 — 53,8 — 44,4 — 43,6 mm. Die Resultate sind den bei der 
Sternanordnung beobachteten Verhältnissen also genau entgegengesetzt. 
Eine zweite Arbeit unternimmt dieselben Versuche nur mit der 
Abweichung, dafs die Stäbe nicht gesehen, sondern durch das Gefühl des 
entlang gleitenden Zeigefingers abgeschätzt werden. Auch auf diese 
Weise entsteht eine arithmetische Reihe von Durchschnittslängen. 
Eine weitere Untersuchung knüpft an die früheren Arbeiten des 
Verfassers an über Vergleichung von Raumdistanzen mittelst verschie 
dener Sinne. Zwei Stellen an der Innenseite des Unterarms werden 
gleichzeitig gereizt und die Versuchsperson mufs dann eine Linie zeichnen, 
deren Länge ihr gleich der Distanz der gereizten Punkte zu sein scheint. 
Bei je zehn Versuchen blieb der eine von beiden Punkten konstant. 
Es ergab sich, dafs die Punktdistanzen wesentlich unterschätzt wurden; 
die Linien waren bei einer Person durchschnittlich nur 66°/o, bei der 
anderen sogar nur 31 % der objektiven Distanz. Die Unterschätzung 
scheint mit wachsender Länge abzunehmen; sie ist geringer, wenn der 
untere Punkt, nahe dem Handgelenk, konstant ist, als wenn es der obere 
ist, nahe dem Ellbogen. 
Eine Studie über den Drucksinn verwertete die Methode der r. u. f. F.
        

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