Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Christian Huyghens: Abhandlung über das Licht. Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften, No. 20. Herausgegeben von E. Lommerl., Leipzig, 1890, W. Engelmann
Person:
König, Arthur
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14417/1/
Litteraturbericht. 
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Rücksicht. Leider werden, in dem. vorliegenden Buche hierbei nur die 
von Fraunhofer aus geführten Intensitätsbestimmungen der verschiedenen 
Spektralfarben berücksichtigt; es verlohnte sich einmal der Mühe, die 
neuern Bestimmungen, insbesondere die von E. Brodhun veröffentlichten, 
welche sich sowohl auf trichromatische wie dichromatische Farben¬ 
systeme beziehen, in die Rechnung einzuführen; wahrscheinlich würde 
sich dann eine noch bessere Übereinstimmung von Theorie und Praxis 
ergeben, als es jetzt der Fall. Es mag hier schon erwähnt sein, dafs 
nach diesen Messungen ein für ein normales Auge möglichst achromati- 
siertes System, dieses auch für ein grünblindes Auge sein mufs; ein 
rotblindes Auge aber würde eine andere Konstruktion erfordern. 
Wir sehen der Fortführung des Werkes mit Spannung entgegen und 
hoffen, dafs insbesondere der dritte Band, welcher die Prüfung des 
optischen Effektes der Instrumente enthalten soll, auch dem physio¬ 
logischen Optiker noch manches Neue und Wissenswerte bringen wird. 
Arthur König. 
Christian Hütchens. Abhandlung über das Licht. [Ostwalds Klassiker 
der exakten Wissenschaften, No. 20.] Herausgegeben von E. Lommel. 
Leipzig 1890, W. Engelmann. 115 S. 
In der vorliegenden Übersetzung und mit Anmerkungen versehenen 
Ausgabe von Huyghens’ Traité de la lumière liefert das verdienstliche 
Unternehmen W. Ostwalds seinen ersten Beitrag zu einer historischen, 
tiefem Begründung des Studiums der Optik. Wir begrüfsen das Er¬ 
scheinen dieses Werkchens mit um so gröfserer Freude, als dasselbe 
jedem empfohlen werden kann, dem es in der physiologischen Optik nicht 
auf das formelle, mit einer schablonenhaften Erklärung sich begnügende 
Wissen, sondern auf ein wirkliches Verstehen und Begreifen der optischen 
Erscheinungen ankommt. Nicht mit Unrecht sagt der Herausgeber, dafs 
das Studium dieser meisterhaften Darstellung auch heute noch den 
Anfänger mit den Gesetzen der Doppelbrechung inniger vertraut 
mache, als die modernen Lehrbücher es vermögen. Wir stehen nicht an, 
diesen Ausspruch auf die meisten der behandelten Teile der Optik aus¬ 
zudehnen. 
Als vor einigen Jahren S.Exner bei seinen Untersuchungen der Insekten¬ 
augen zuerst auf die Thatsache geführt wurde, dafs ein Cylinder, dessen 
Brechungsindex von der Axe nach der Peripherie hin zu- oder abnimmt, 
trotz planer Endflächen für ein der Axe paralleles Strahlenbündel wie 
eine Linse wirkt, war diese Beobachtung allen denen unerklärlich, welche 
sich gewöhnt hatten in der Optik nur mit „Strahlen“ zu operieren. Nun 
ist aber „Strahl“ nur ein abgeleiteter, rein mathematischer Begriff, das 
wirklich Vorhandene ist die Wellenfläche, d. h. der geometrische Ort 
aller derjenigen Punkte, in denen die Phase einer Einzelwelle dieselbe 
ist. Sobald man die Wellenfläche zur Erklärung benutzt, ist jene Ex- 
NERsche Beobachtung sofort zu verstehen. Huyghens geht nun überall von 
der Wellenfläche, nicht vom Strahl aus, und daher haben seine Darstel¬ 
lungen etwas ungemein Anschauliches, sie gehen stets auf die Thatsachen 
zurück und werfen Licht auf manche Teile der Optik, die in der gegen-
        

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