Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychologie der Komplexionen und Relationen, Chr. v. Ehrenfels: Über Gestaltqualitäten
Person:
Meinong, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14405/4/
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A. Meinong. 
unserer Sache eine Beweiskraft zukommt, wie solche sonst der 
psychologischen Forschung, der nicht-experimentellen zumal, 
keineswegs allzuhäufig erreichbar ist. Abgeänderte Formu¬ 
lierung hätte dies leicht noch schärfer ergeben: denn dafs sich 
aus Ungleichem oder Unähnlichem Gleiches oder Ähnliches 
summieren könnte, eine solche Annahme schliefst meines Er¬ 
achtens nicht weniger Unverträglichkeit in sich, als die An¬ 
nahme eines gelben Blau oder eines runden Vierecks; damit 
aber erscheint der negative Teil der Position in einer Weise 
gesichert, welche „more geometrico“ buchstäblich jeden Zweifel 
ausschliefst. 
Aber allerdings nur der negative Teil, und auf den posi- 
siven, demgemäfs das, was zu den Bestandstücken der be¬ 
treffenden Komplexionen noch hinzukommen mufs, ein Vor¬ 
stellungsinhalt ist, hätte der Autor nicht ohne weiteres über¬ 
springen dürfen. Es giebt ja noch andere Möglichkeiten zu 
erwägen; und glückt es auch schwerlich, deren ganzen Umkreis 
mit der Garantie der Vollständigkeit vorgängig zu überblicken, 
so kann doch, was anderweitige psychologische Forschungs¬ 
praxis an Eventualitäten nahe legt, nicht einfach unberück¬ 
sichtigt bleiben. Ich will kurz zusammenstellen, was ich in 
diesem Sinne beizubringen weifs : 
a. Haben die ähnlichen Komplexionen wirklich ganz un¬ 
ähnliche Bestandstücke ? Praktisch käme dieses Auskunftsmittel 
am ehesten bei den in diesem Sinne vom Autor auch gelegent¬ 
lich berührten Ortsbestimmungen in Frage, namentlich könnte 
man sich einiges von Bewegungsvorstellungen versprechen. 
Aber die grofse Mannigfaltigkeit der Gebiete, welche der Ver¬ 
fasser für sich in Anspruch nimmt, läfst es doch ziemlich aus¬ 
sichtslos erscheinen, für jedes dieser Gebiete mit besonderen 
Mitteln der allgemein beobachteten Thatsache gerecht zu 
werden. 
b. Die Melodie in der Originaltonart stimmt mit der trans¬ 
ponierten Melodie in gewissen Relationen zwischen den sie 
ausmachenden Tönen; was liegt näher, als eben in diesen Re¬ 
lationen dasjenige zu suchen, was beim Zusammentreten der 
Bestandstücke noch hinzukommt, ja naturgemäfs noch hinzu¬ 
kommen mufs? Ohne Zweifel ist dieser vom Verfasser eben¬ 
falls gelegentlich gestreifte Gedanke der sozusagen populärste, 
und gar mancher, dem die Ähnlichkeit des sonst Unähnlichen
        

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