Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychologie der Komplexionen und Relationen, Chr. v. Ehrenfels: Über Gestaltqualitäten
Person:
Meinong, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14405/16/
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A. Meinong. 
wie „Gestalt“ Namen, für die Gesamtheit der betreifenden 
Fundamente nebst dem durch sie fundierten Inhalte; und wie 
eng dieser mit jenen verknüpft ist, darauf weist nicht nur die 
Thatsache, dafs er sich psychologischer Feststellung so lange 
entzogen hat, sondern noch mehr die oben berührte Schwierig¬ 
keit, ihn direkt heraus zu analysieren, die, auch nachdem er 
auf indirektem Wege erwiesen ist, immer noch fortbesteht: 
indem sich die Analyse den fundierenden Inhalten zuwendet, 
entschlüpft ihr gleichsam, was sie gerade sucht. Ganz anders 
beim Vergleichen: wer Eot und Orange ähnlich findet, dem 
ist die Ähnlichkeit sicherlich auch in bestimmter Weise an 
Eot und Orange geknüft; aber die Verbindung ist eine erheb¬ 
lich weniger innige, so dass es nicht schwer fällt die Ähnlich¬ 
keit den verglichenen Inhalten gegenüberzustellen, während hier 
kein Wort vorliegt, welches Eot, Orange und deren Ähnlich¬ 
keit zusammen zum Ausdruck bringt. 
Damit sollen natürlich etwa konkurrierende Umstände nicht 
ausgeschlossen sein. Leicht mag es Bedürfnisse geben, denen 
es mehr entgegenkommt, das in einer Melodie als das in zwei 
beliebigen nur voneinander verschiedenen Inhalten gegebene 
Vorstellungsganze durch ein Wort gleichsam permanent zu 
machen. Noch wichtiger könnte ein anderer Umstand sein: je 
sicherer gewisse Inhalte, wenn sie Zusammentreffen, einen, be¬ 
stimmten anderen Inhalt fundieren, desto sicherer wird sich ihre 
Komplexion der Beachtung und Benennung aufdrängen; je 
mehr dagegen das Subjekt gleichsam aus Eigenem hinzuthun 
mufs, damit der fundierte Inhalt auftritt, desto natürlicher 
mag sich der Anteil der Fundamente durch einen Eelations- 
Terminus ausdrücken lassen. 
Freilich tritt nun aber diese letzte Annahme der Meinung 
unseres Autors entgegen, es müsse sich mit den fundierenden 
Inhalten stets auch der fundierte einstellen; ich zweifle indes, dafs 
diese Ansicht sich als haltbar erweisen wird. Dafs zum Perzipieren 
etwa der Ähnlichkeit das Subjekt ganz Wesentliches beitragen 
müsse, erkennt er S. 273 f. ausdrücklich an, und dies wäre mit 
der in Eede stehenden allgemeinen Aufstellung in keiner Weise 
in Einklang zu bringen, ginge damit nicht der Versuch des Ver¬ 
fassers Hand in Hand, die fraglichen Eelationsvorstellungen 
statt durch die verglichenen Inhalte durch die innere Wahr¬ 
nehmung des Vergleichungsaktes fundiert sein zu lassen. Aber
        

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