Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychologie der Komplexionen und Relationen, Chr. v. Ehrenfels: Über Gestaltqualitäten
Person:
Meinong, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14405/14/
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A. Meinong. 
auch nur im mindesten Rücksicht zu nehmen, das Vergleichungs¬ 
ergebnis von den verglichenen Inhalten wie eine Eigenschaft 
der letzteren prädiziert wird. Aber ein solches Urteil reprä¬ 
sentiert eine Grundgestalt menschlichen Erkennens, und es 
wird wohl damit Zusammenhängen, dafs man solche als besondere 
Inhalte prädizierbare Ergebnisse beziehender Thätigkeit in be¬ 
sonderem, gewissermafsen prägnanten Sinne Relationen genannt 
hat, wenigstens an sie zunächst zu denken pflegt, wenn von 
Relationen die Rede ist. Es ist dann ganz angemessen, die 
auf einander bezogenen Inhalte, von deren Beschaffenheit das 
Ergebnis in unverkennbarer Weise abhängt, jener „Relation“ 
als „Fundamente“ gegenüberzustellen; aber es versteht sich, 
dafs dann auch dem Ausdrucke „Fundament“ die Grenzen ge¬ 
steckt sind, in welchen sein Correlat „Relation“ verstanden 
wird. Kehrt man dann wieder zum weiten Gebrauch des Aus¬ 
druckes Relation zurück, so liegt es nahe, die Correlativität 
des Ausdruckes „Fundament“ dadurch festzuhalten, dass man 
auch ihn seiner engeren Bedeutung entkleidet: die Bestandstücke 
der im Relationsfalle niemals fehlenden Komplexion bieten sich 
dem fraglichen Terminus jederzeit als Anwendungsobjekte 
völlig ungezwungen dar. 
Aber natürlich unter Verlust des charakteristischesten 
Teiles der engeren Wortbedeutung, und nichts kann geeigneter 
sein, die Gröfse solchen Verlustes in’s rechte Licht zu setzen 
als die oben ausgezogene Abhandlung Ehrenfels’, auf die wir 
uns nunmehr wieder zurückgefiihrt finden. Indem vor allem 
der Autor einerseits „Vergleichungsrelationen“ und am Ende auch 
„Verträglichkeitsrelationen“ als „Gestaltqualitäten“, andererseits 
die verglichenen oder auf Verträglichkeit untersuchten Inhalte 
als „Grundlagen“ in Anspruch nimmt, ist sicher gestellt, dafs mit 
diesen „Grundlagen“, das „Fundament“ im engeren Sinne gemeint 
ist: mein Vorschlag, diesen fundierenden Inhalten „fundierte“ ge¬ 
genüberzustellen, hat innerhalb dieser Grenzen sonach kaum den 
Charakter eines terminologischen Reformversuches. Indem aber 
der Autor den Fundamentgedanken auf Gebiete anwendbar er¬ 
weist, denen dieser Gedanke bisher fern geblieben ist, wird ein 
Verwischen desselben durch allzu weite Anwendung des ihn 
tragenden Terminus um so weniger ratsam, je weiter und be¬ 
deutsamer die ihm gleichsam neu erschlossenen Gebiete sind. 
Die praktische Nutzanwendung hieraus zu ziehen, fällt um so
        

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