Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seelenfrage: Mit besonderer Berücksichtigung von O. Flügels "Die Seelenfrage etc.", 2. Auflage 1890, Mit einer Erwiderung von O. Flügel im selben Band auf S. 444
Person:
Rehmke, J.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14376/42/
446 
0. Flügel. 
meint, ich schreibe der Seele nur innere Zustände zu und halte 
sie für unfähig, äufsere Zustände zu haben. „Das Gehirnatom,“ 
heifst es S. 189, „hat (nach Flügel) äufsere und innere Zustände, 
das Seelenatom als nicht-räumliches allein innere.“ „Das Seelen¬ 
atom soll nur innere Zustände bekommen.“ S. 210. Wie mag 
Verfasser zu dieser Ansicht und zu diesem Bericht gekommen 
sein? Überall ist in meiner Schrift und in der ganzen Herbart- 
schen Litteratur über diesen Punkt das gerade Gegenteil ge¬ 
sagt, dafs auch hinsichtlich der äufseren Zustände, nämlich der 
Bewegungsvorgänge, zwischen dem Seelenwesen und jedem 
andern realen Wesen kein Unterschied ist. So gut wie jedes 
andere einfache Wesen mufs die Seele gedacht werden bald 
ruhend, bald sieh bewegend, mit diesem oder jenem Wesen in 
Berührung oder aufser Berührung. Die äufseren Bewegungs¬ 
vorgänge sind die formale Bedingung für die Entstehung der 
inneren Zustände (z. B. der Empfindungen). 
Wenn es freilich so wäre, wie Verfasser meine Ansicht 
darstellt, als seien äufsere Zustände für die Seele nicht mög¬ 
lich, dann hätte er Hecht, wenn er sagt S. 189: „Ein Nest 
von Widersprüchen gröbster Art starre ihm entgegen, wenn 
er sich eine Wechselwirkung von Gehirn und Seele denken 
solle.“ Allein Verfasser sollte bedenken, dafs er selbst diese 
Widersprüche geknüpft hat und zwar dadurch, dafs er unter- 
läfst, den so klar ausgesprochenen Gedanken aufzufassen und 
statt dessen das gerade Gegenteil mir als meine Ansicht unter¬ 
zuschieben. Es fällt ganz auf ihn, wenn er S. 188 sagt: „Die 
HERBARTsche Philosophie, welche es als das eigenste philo¬ 
sophische Geschäft verkündet, die Widersprüche aufzulösen, 
sollte sich hüten, selbstthätig neue Widersprüche zu schaffen 
und sollte feinfühliger sein "gegen so plumpe Widersprüche, 
wie derjenige ist, in welchem der Seele einerseits Körperlich¬ 
keit, Materialität, Räumlichkeit abgesprochen und andererseits 
Sitz, Ort, Bewegung und Beweglichkeit im Gehirn zugesprochen 
wird.“ Hierin liegt kein Widerspruch. Der Widerspruch 
kommt erst hinein, weil Verfasser die Behauptung dazwischen 
schiebt, die Seele habe nur innere Zustände. Der Verfasser 
bemerkt in dieser Hinsicht S. 184: „Wir kennen die Weise, 
sowie den Text von den realen Wesen und seinen inneren 
Zuständen genugsam, verkündigen doch Herbarts Schüler diese 
Wörter noch immer laut und oft.“ Allein es scheint, als wäre
        

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