Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seelenfrage: Mit besonderer Berücksichtigung von O. Flügels "Die Seelenfrage etc.", 2. Auflage 1890, Mit einer Erwiderung von O. Flügel im selben Band auf S. 444
Person:
Rehmke, J.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14376/1/
Die Seelenfrage. 
Von 
J. Rehmke. 
(Mit besonderer Berücksichtigung von 0. Flügels „Die Seelenfrage etc.“ 
2. Auflage 1890.) 
Die Seelenfrage besteht noch immer und es steht nicht 
gerade gut um sie. Die kritische Zergliederung des Gegebenen 
„Seele“, die als wissenschaftliche Aufgabe den Inhalt jener 
Frage ausmacht, wird von zwei verschiedenen Seiten gehemmt 
und gestört; die Einen schauen und dichten etwas in das Ge¬ 
gebene hinein, was in Wirklichkeit nicht darin ist, und Gemüts¬ 
bedürfnisse, die aus ererbten Interessen sich erheben, leiten 
dabei die schaffende Einbildungskraft; die Anderen sehen und 
beachten etwas garnicht, was in Wirklichkeit doch zu dem 
Gegebenen „Seele“ gehört, und das Ergebnis ihres Zerglie¬ 
derungsgeschäftes ist infolgedessen nicht nur ein unvollstän¬ 
diges, sondern auch ein irreführendes, gleich demjenigen der 
dichtenden Psychologen. 
Nennen wir die Einen die Dichter, die Anderen die Phy¬ 
siker unter den Psychologen. Jene behaupten, Seele sei ein 
„ursprüngliches reales Wesen“, das erst unter dem Einflufs 
anderer „realer Wesen“ zum Bewufstseinsleben, zu Empfin¬ 
dungen, Gefühlen u. s. f. komme; diese behaupten, Seele sei nur 
als eine Summe bestimmter Erscheinungen, Empfindungen Ge¬ 
fühle u. s. f., gegeben ; sie teilen sich in Ansehung der Frage, 
ob diese „Erscheinungen“ nicht doch einem besonderen „realen 
Wesen“ zugehören, in die Entschiedenen und die Zaghaften; 
jene verneinen die Frage kurzweg, diese lassen sie dahingestellt, 
als aus der Zergliederung des Gegebenen selbst unbeantwortbar. 
Beide sind darin einig, dafs für die psychologische Forschung 
das Gesamtmaterial völlig in den sogenannten seelischen Er¬ 
scheinungen allein vorliege, und dafs ein rundes Wissenschaft-
        

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