Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Theorie des räumlichen Vorstellens mit Rücksicht auf eine Nachbildlokalisation
Person:
Cornelius, C. S.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14375/11/
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C. S. Cornelius. 
dings nicht in der Weise sichtbar, wie das durch einen ge¬ 
schlossenen Komplex von Lichtempfindungen gegebene Objekt ; 
allein wir haben doch eine Vorstellung dieses Saumes, als einer 
bestimmten Ordnung des Zwischen- und Nebeneinander, für die 
irgend welche Qualitäten des Sichtbaren nicht mehr von Belang 
sind. — Wenn ferner gesagt wird, die Entfernung zwischen 
zwei Objekten sei nicht etwas den Objekten selbst Anhaftendes 
oder Eigentümliches, so stimmen wir dem vollständig bei. Die 
Beziehung, welche hier zwischen beiden Objekten besteht, ist 
lediglich Sache eines zusammenfassenden, durch den Gesichts¬ 
sinn vermittelten Vorstellens, vermöge dessen beide Objekte 
gleichzeitig in einem gewissen Abstande voneinander vorgestellt 
werden. 
Lipps1 kommt schliefslich zu dem Ergebnis, dafs die Tiefen¬ 
wahrnehmung, da sie an sich nichts sei, auch auf keine Weise 
zu Stande kommen könne. Es lasse sich nur von einem gedank¬ 
lichen Tiefenbewufstsein reden, über dessen Entstehung eine An¬ 
deutung gegeben wird. Man vergegenwärtige sich nämlich 
zwei Gegenstände, die sich so hintereinander befinden, dafs der 
dem Auge fernere hinter dem weniger entfernten teilweise oder 
eben vollständig hervortritt. „Zwischen den aneinander stofsen¬ 
den Rändern der beiden Gesichtsbilder befindet sich für die 
Wahrnehmung nichts. Wir wissen aber, dafs ein Abstand 
dazwischen liegt. Wir wissen es, weil wir den Abstand bei 
anderer Stellung gesehen haben, und weil wir in mannigfacher 
Erfahrung räumliche Gröfsen als objektiv, von unserem Wahr¬ 
nehmen und seinen Bedingungen unabhängig bestehend be¬ 
trachten gelernt haben.“ Damit soll die Frage nach der Ent¬ 
stehung des Bewufstseins der dritten Dimension im Prinzip 
vollständig beantwortet sein. Das Bewufstsein dieser Dimension 
ist, wie es weiter heifst, lediglich Gedanke, Überzeugung, 
Wissen, nicht Wahrnehmung, auch nicht Vorstellung. Wie für 
die Wahrnehmung, so sei für die Phantasievorstellung der leere 
Raum nichts. „Ehe Tiefe ist so wenig ein mögliches Vorstel¬ 
lungsbild als ein mögliches Wahrnehmungsbild. Wie niemals 
jemand etwas von einer dritten Dimension gesehen hat, so hat 
niemals jemand etwas dergleichen vorgestellt.“ 
In dem zuvor angeführtem Falle soll also das Wissen von 
1 Psychologische Studien, S. 71 f., S. 83 ff.
        

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