Bauhaus-Universität Weimar

Zur Psychologie der Sprache- 
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Grasheys Vorgang geprüft, ob Voit imstande ist, die einzelnen 
ihm successive gebotenen Teile eines Gegenstandes, bezw. Bildes 
zu behalten und das Bild daraus zu kombinieren. Man führt 
hierzu ein mit einem spaltähnlichen Ausschnitt versehenes Blatt 
über das Bild, so dafs successive alle einzelnen Teile des Bildes 
zur Wahrnehmung kommen. Auch hier zeigt sich noch eine 
Fehlerquelle, darin nämlich, dafs aus einzelnen charakteristi¬ 
schen kleinen Teilen, welche durch den Spalt sichtbar werden, 
z. B. bei der Kuh aus einem Euter, der Schlufs auf das Ganze 
gemacht wird. Im vorliegenden Falle wird der Name des 
deutlich gesehenen charakteristischen Teiles und der Name des 
Ganzen durch Schreibebewegungen gefunden und festgehalten 
und schliefslich bei dem Wiedervorzeigen des Bildes dieses 
durch Vermittelung des gemerkten Namens erkannt. Der ent¬ 
sprechende Versuch mit Bildern von Gegenständen, deren ein¬ 
zelne Parallelteilungen wenig Bedeutsames zeigen, wie z. B. 
das Bild eines Fasses, gelingt auch bei geistig Gesunden nicht 
immer. Am sichersten erscheint der Versuch mit Schnörkeln, 
d. h. mit Gesichts bildern, welche nicht durch Namen gemerkt 
werden können. 
Wenn man ihm gezeichnete Schnörkel vorlegt, welche 
möglichst wenig Ähnlichkeit mit Gegenständen oder Buchstaben 
haben dürfen, und wenn man ihn auf einen davon hinweist, 
so ist er nach kaum sekundenlangem Verdecken desselben 
nicht mehr imstande, den richtigen zu finden. 
Zur Prüfung des optischen Gedächtnisses wurde ferner an 
Voit die Aufgabe gestellt, ein Bild (z. B. Hund, Pferd etc.) 
in groben Umrissen von einer Vorlage abzuzeichnen. Wenn er 
bei diesem Nachzeichnen z. B. mit dem Kopfe eines Tieres 
fertig war, so wurde ihm die Vorlage entzogen. Von diesem 
Augenblick an stockte er und beendete die Zeichnung mit 
einem Haken, der nicht die mindeste Beziehung zu dem hatte, 
was er machen sollte. Das Hilfsmittel, welches er sonst zur 
Unterstützung seines optischen Gedächtnisses bereit hat, nämlich 
das Schreiben des Wortes, wurde in diesem Falle, wo die 
Hand mit Nachzeichnen beschäftigt war, nie angewendet. In 
diesem Falle wirkte offenbar die Verwendung der Hand zum 
Zeichnen als eine Hemmung der Schreibbewegungen, wodurch 
ihm die Möglichkeit schreibend Worte zu finden und festzu¬ 
halten geraubt wurde.
        

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