Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
W. Dilthey: Beiträge zur Lösung der Frage vom Ursprung unseres Glaubens an die Realität der Außenwelt und seinem Recht. Sitzungsbericht der königl. preuß. Akademie der Wissensch. zu Berlin, S. 46, 1890
Person:
Rehmke, J.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14368/1/
Litteraturbericht. 
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hang der Lautvorstellungen mit den ihnen entsprechenden Inner¬ 
vationsvorgängen illustrieren. Herr Ta. berichtet, als Kind eine 
Verletzung der linken Schläfe erlitten zu haben und überdies einer 
Stottererfamilie zu entstammen. Seit jenem Unfälle stottert er. Namentlich 
bieten die mit er und pr beginnenden Silben Schwierigkeiten in der 
Aussprache. Zudem besteht aber auch „Gedankenstottern“. Beim stillen 
Memorieren eines Vortrages zum Beispiel stellt sich, meist kurz vor einem 
jener besonders schwer auszusprechenden Worte, eine völlige Stauung, 
Hemmung der Gedanken ein und entschieden sekundär im Anschlüsse 
daran oben erwähntes Sprachstottern, wenn das Gedachte zugleich laut 
gesagt werden soll. Ein Stocken der Gedanken wie der Feder stellt 
sich auch gelegentlich bei schriftlichen Arbeiten ein. Vorsprechen, 
weniger gut Lesen des schwierigen Wortes beseitigt den Anfall meist 
sofort. An letztere Mitteilung knüpft St. noch die Bemerkung, dafs 
überhaupt akustische Beize am ehesten und leichtesten das Sprach- 
centrum erregen. Schaefer (Jena). 
W. Dilthey. Beiträge zur Lösung der Frage vom Ursprung unseres 
Glaubens an die Realität der Aufsenwelt und seinem Recht. Sitzungs¬ 
bericht der königl. preufs. Akademie der Wissensch. zu Berlin. S. 46. 1890. 
Die Abhandlung bietet einen neuen, an Alexander Bain1 freilich 
erinnernden, aber, offenbar unabhängig von diesem, fein und umsichtig 
geführten Versuch, den Glauben an die Realität der Aufsenwelt und 
und seine Berechtigung psychologisch zu begründen. Mit Recht genügen 
dem Verfasser nicht die neuerlichen Versuche von Helmholtz und Zeller, 
diesen Glauben „auf Grund von Empfindungen in Denkprozessen oder 
Vorgängen, die diesen äquivalent sein sollen,“ entstehen zu lassen, er 
möchte „über die Annahme hinauskommen, dafs die Realität der Aufsen¬ 
welt nur den Wert einer Hypothese hat.“ Er will „den Menschen 
in seiner empirischen Lebensfülle zu Grunde gelegt“ wissen und hofft 
so, jenen Glauben sicher zu stellen. 
Der Grundgedanke ist folgender: „Der Mensch ist zunächst ein 
System von Trieben, die vom Bedürfnis nach der Befriedigung drängen“ 
„Eindrücke und Bilder rufen in diesem System unserer Triebe und der 
mit ihnen verbundenen Gefühle zweckmäfsige Reaktionen hervor, durch 
diese werden willkürliche Bewegungen ausgelöst und so wird das 
Eigenleben an seine Umgebung angepafst. Daher ist die tierisch¬ 
menschliche Lebenseinheit, von innen angesehen, auf jeder Stufe ein 
Bündel von Trieben, Lust- und Unlustgefühlen, sowie von Volitionen.“ 
„dessen Aufsenseite nur unser Körper ist.“ „Die Vorgänge von Wahr¬ 
nehmung und Denken, welche sich zwischen dem Reiz und der Willens¬ 
reaktion auf den höheren Stufen des Lebens einschalten, erweitern und 
vermannigfaltigen sich nur in diesem Zusammenhang mit dem Trieb¬ 
leben. Daher hat jeder Vorgang von Wahrnehmung, jeder Denkprozefs 
gleich sam eine innere Seite: Interesse, Aufmerksamkeit und die aus 
1 The Senses and the Intellect: „perception and belief of the material 
world.“ S. 375 ff.
        

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