Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
1. Georges Dwelshauvers: Psychologie de l'apperception et recherches expérimentales sur l'attention, essai de psychologie physologique, 2. Georges Dwelshauvers: Untersuchungen zur Mechanik der aktiven Aufmerksamkeit
Person:
Martius, Götz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14365/1/
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Litteraturbericht. 
am leichtesten vor sich geht, wenn die Aufmerksamkeit der Koordination 
von Reizbild und Bewegungsbild zugewendet ist. Letztere Aufmerksam¬ 
keitsrichtung, die hei fehlender Übung die natürlichste sein soll, stellt 
Martius als centrale Aufmerksamkeit neben die muskuläre und sensorielle. 
Nach diesen, der Wiederlegung Münsterbergs gewidmeten Unter¬ 
suchungen sucht Verfasser die Gründe im einzelnen zu widerlegen, 
welche Wundt für seine Ansicht angeführt hat, dafs die muskulären 
Reaktionen auf Einübung beruhende Gehirnreflexe darstellten. Insbe¬ 
sondere weist er durch eigene Versuche nach, dafs der Unterschied 
zwischen muskulärer und sensorieller Reaktionweise sich auch hei 
ganz ungeübten Versuchspersonen zeigt. Ferner hat Verfasser neue 
Versuche über einfache Reaktionszeiten angestellt, hei denen der Rea¬ 
gierende nach jedem Einzelversuche seine eigene Beobachtung über 
die Richtung [seiner Aufmerksamkeit im Augenblicke des Reagierens 
sowohl als über denErfolg und die scheinbare Länge der Reaktions¬ 
zeit aufschrieb. Diese Versuche, welche eine grofse Genauigkeit der 
eigenen Schätzung des Versuchsverlaufes ergaben, lehrten, dafs der 
Eindruck der Gleichzeitigkeit von Sinneseindruck und Reaktionsbewe¬ 
gung ziemlich regellos stattfindet und weder von der Aufmerksamkeits¬ 
richtung noch von der Reaktionsdauer in gesetzmäfsiger Weise abhängt. 
Perner zeigte sich ein zeitlicher Unterschied zwischen sensorieller 
und muskulärer Reaktion, der wesentlich kleiner war, als der von 
L. Lange gefundene Unterschied, was Martius dadurch erklärt, dafs 
bei ihm die Vorschrift kurz dahin lautete, möglichst schnell zu rea¬ 
gieren, während Lange bei sensorieller Aufmerksamkeitsrichtung das 
Abwarten der vollen Apperception des Eindrucks vorgeschrieben hatte. 
Martius schliefst nun aus diesem Resultat einerseits, dafs die Vorstellung 
der Gleichzeitigkeit von Sinneseindruck und Reaktionsbewegung nicht 
verwendbar ist, um Schlüsse über die Natur des muskulären oder senso¬ 
riellen Reaktionsvorganges daran anzuknüpfen, und andererseits, dafs 
bei dem geringen zeitlichen Unterschiede zwischen muskulärer und senso¬ 
rieller Reaktionsweise kein Grund vorhanden ist zu der Annahme einer 
specifischen Verschiedenheit der beiden Vorgänge. Vielmehr stellen nach 
Martius die sensorielle und die muskuläre Reaktion einen innerlich 
gleichartigen Vorgang dar, bei dem nur die Aufmerksamkeit in ver¬ 
schiedenem Sinne thätig ist, das eine Mal, indem sie den erwarteten 
Sinneseindruck vorher reproduziert und alle anderen gleichzeitigen Vor¬ 
stellungen hemmt, das andere Mal, indem sie die intendierte Muskel¬ 
innervation aktuell im Bewufstsein erhält. Die Perception des Reizes 
soll in beiden Fällen zum Zustandekommen der Reaktionsbewegung 
erforderlich sein. A. Pilzecker (Göttingen). 
1. Georges Dwelshauvers. Psychologie de l’apperception et recherches 
expérimentales sur l’attention, essai de psychologie physiologique. 
Bruxelles 1890. 179 S. 
2. Georg Dwelshauvers. Untersuchungen zur Mechanik der aktivem 
Aufmerksamkeit. Wundt, Philosoph. Studien, Bd. VIr 2, S. 217—249. 
Die an erster Stelle genannte Schrift enthält aufser den experimen-
        

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