Bauhaus-Universität Weimar

Zun Physiologie des Tkmi'kratursinnes. 
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für schwerer hallen.« Es scheint also, dass die Kälteempfin- 
tlung die Wirkung des Druckes erhöht. 
Auch A. Fick und A. Wunderli*) haben die Ansicht be¬ 
gründet, dass die gleichen Nerven Tast- und Wärmeempfin- 
dungen der Seele zuführen. Sie zeigten , dass man unter Um¬ 
standen : »Temperaturreize und BerUhrungsreizc verwechseln 
kann.« 
Weitere Untersuchungen darüber,, ob die Tastempfin¬ 
dungen von den Temperaturempfindungen abhängig seien, hat 
Csermak**) angcstcllt und folgendermassen beschrieben: 
»Ich bestimmte zuerst vermittelst des Zirkels in ver¬ 
schiedenen llautregionen die Grösse des Bezirkes, innerhalb 
welches die gleichzeitigen und gleichen Eindrücke der Zirkel¬ 
spitzen zu einer einzigen Empfindung verschmolzen. Nachdem 
ich diesen sorgfältig bestimmten Bezirk mit Tusche Umrissen 
halte, setzte ich an zwei beliebigen Punkten desselben statt der 
Zirkelspitzen zwei sehr kleine Hoagonsglaschen, von denen das 
eine mit heissem Oel, das andere mit einer Kaltemischuhg ge¬ 
füllt war, mit ihren abgerundeten unteren Enden auf. 
Das übereinstimmende Resultat meiner auf diese Art an 
mir und Anderen auf den verschiedensten Maulregionen ausge- 
führlen Versuche ist nun folgendes: 
Man unterscheidet unter den angegebenen Bedingungen 
den Kalteeindruck des einen Gläschens deutlich von dem 
Wörmeeindruck des anderen, allein (und'dies versetzt den Be¬ 
obachter in eine eigentümliche, nicht zu beschreibende Ver¬ 
wirrung) man hat keine Ahnung von ihrem Nebeneinander; 
man'kann durchaus nicht angeben, ob der Wärmeeindruck 
rechts oder links, nach vorn oder hinten von dem Källccin- 
druckc sich befindet. Erst wenn man die verschieden tcmpc- 
rirten Gläschen in solchem Abstande von einander mit der Haut 
in Berührung bringt als zur räumlichen Unterscheidung zweier 
Zirkclspitzen erforderlich ist, erst dann nimmt man auch die 
räumliche Disposition jener heterogenen Eindrücke wahr. 
*) Experimentelle Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes. Mole- 
schotls Untersuchungen. VII. S. t ff. 
*♦) Czermak, Physiologische Studien. Silzungsher. d. Akad. d. Wissen¬ 
schaft. zu Wien. 1855. Bd. 15. S. 500.
        

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