Bauhaus-Universität Weimar

Über Vergleichungen von Tondistanzen. 
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zugegeben. Erforderlich ist dieselbe nun freilich, nicht, sondern 
höchstens interessant, um es genau festzustellen, inwieweit 
Obertöne zu trügen vermögen. Denn selbst vorzügliche Mu¬ 
siker irren sich mitunter infolge der hinzutretenden Obertöne 
in der Oktavenlage eines Tones. Ich kann ein leicht nachzu¬ 
ahmendes Beispiel anführen. Wenn ich auf einem der tiefsten 
Pfeiftöne, welche die Mundhöhle besitzt, auf dem dieser Lage 
eigentümlichen Vokal U ein F pfeife, und dann/-1 mit leisestem 
Kopfton singe (ebenfalls auf ZT), so hält der Nichtmusiker 
den gepfiffenen Ton — ich habe das Experiment oft angestellt 
— fast immer für tiefer, als den gesungenen, also etwa für /'. 
Das habe ich nun freilich nie geglaubt, aber ich hielt beide 
für dasselbe f1, obschon das gepfiffene scheinbar tiefer klingt. 
Erst meine Stimmgabeln mit Kesonanzkasten haben mich gründ¬ 
lich widerlegt. Denn wenn ich den Ton in meine /^-Stimm¬ 
gabel hineinpfeife, so schweigt sie beharrlich, obgleich sie eben 
so resonanzfähig ist, wie meine /^-Stimmgabel, die bei dem 
Pfeifton sofort mitzutönen beginnt. Joachim und Stockhausen 
hatten sich freilich mit ihrem sicheren Klanggefühl schon viel 
früher dahin mir gegenüber ausgesprochen, dafs der gepfiffene 
Ton = /'2 sei. So weicht hier also die Empfindung des Nicht¬ 
musikers von dem des vollständig klangfesten Musikers um 
zwei Oktaven ab. Wer kann aber nach solchen Erfahrungen 
auf Beobachtungen über Tondistanzen, an Instrumenten an¬ 
gestellt, die zu solchen Irrtümern verleiten, irgend welchen 
Wert legen? 
Drittens. Auch Stumpf hat bereits hervorgehoben, dafs 
nach Wundts neuester Theorie e : c1 dieselbe Distanz sein 
müfste wie c3 : 
    

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