Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychologie der Komplexionen und Relationen: Chr. v. Ehrenfels, Über Gestaltqualitäten. Vierteljahresschr. f. wissensch. Philosophie, 1890, 3. Heft, S. 249-292
Person:
Meinong, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14340/15/
Zur Psychobgie der Komplexionen und Relationen. 
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weniger schwer, als der von mir vor Jahren acceptierte weite 
Gebrauch, demzufolge es keine Relation ohne Fundament geben 
könnte, offenbar auch sonst nicht allenthalben befriedigt hat 
und ein einfacher Abänderungsvorschlag seitens eines litera¬ 
rischen Berichterstatters1 vorliegt. Es kann diesem stattge¬ 
geben werden, indem man die keiner Relation fehlenden Kom¬ 
plexionsbestandstücke mit dem Ausdrucke „Glieder“ der be¬ 
treffenden Relation belegt. 
Weiter lehrt nun aber die vorliegende Abhandlung, dafs 
der „fundierte Tnha.1t,“ auch nicht kurzweg mit Relation im 
engem Sinne zusammenfällt. Gerade dort, wo der Hinweis auf 
fundierte Inhalte sich in besonderem Mafse als neue und zu Be¬ 
denken am wenigsten herausfordernde Feststellung darstellt, bei 
Gestalten und Melodien, redet niemand von Relation. Um so 
natürlicher freilich von Komplexion ; und ist das oben über das 
Zusammengehen der Komplexions- und Relationsthatsachen Ge¬ 
sagte zutreffend, so beweist dieser terminologische Unterschied 
sicherlich nichts gegen die Verwandtschaft zwischen den ver¬ 
schiedenen Anwendungsfallen des Fundierungsgedankens. Er¬ 
wiesen ist damit aber jedenfalls, dafs den Fundamenten statt 
der Relation eventuell auch die Komplexion gegenübertreten 
kann. Wann das eine, wann das andere, ist natürlich Sache 
der Untersuchung, über deren Ergebnis mir indes eine Ver¬ 
mutung nicht wohl abzuweisen scheint. Nachdem Stumpf2 in 
meines Erachtens völlig überzeugender Weise auf die Thatsache 
der Verschmelzung zwischen gleichzeitig gegebenen Inhalten 
sowie auf die dabei vorkommenden graduellen Verschieden¬ 
heiten aufmerksam gemacht hat, liegt angesichts der Simulta- 
neität der fundierten mit den fundierenden Inhalten nichts 
näher, als auf Verschmelzung oder ein derselben ähnliches Ver¬ 
hältnis zwischen ihnen gefafst zu sein. Je enger dann etwa 
die Verschmelzung, je schwieriger daher die Analyse, desto 
ferner wird es der aufserpsychologischen Betrachtung und 
Sprachbildung liegen, die Bestandstücke in jener Weise von 
einander zu isolieren, welche erforderlich scheint, um der Rela¬ 
tionen zwischen ihnen zu gedenken. Wirklich sind „Melodie“ 
1 A. Höflek in der Vierteljahrsschr. f. wissensch. Philosophie, 1883, 
S. 484, Anm, 1. 
* Tonpsychobgie, II.
        

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