Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Physiologisch - psychologische Studien über die Entwicklung der Gesichtswahrnehmungen bei Kindern und bei operierten Blindgeborenen
Person:
Raehlmann, E.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14334/3/
Physiologisch-psychologische Studien. 
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eine und dieselbe vegetative Bewegung, die Bewegung der 
N ahrungsaufnahme. 
Die ersten Bewegungen junger Füllen, Kälber, junger 
Schweine etc. sind auf die Erreichung der Zitzen der Mutter 
gerichtet. Der junge Hund findet die letzteren ohne Zuthun 
der Hündin auch, obwohl er völlig blind ist. Wieviel bei den 
Bewegungen junger Füllen auf richtige Verwertung der Gesichts¬ 
eindrücke zurückzuführen ist, wieweit andere Sinne, namentlich 
der Geruch, bei der Leitung und Richtung der Bewegung 
mitwirken, ist schwer zu erforschen. Aufserdem verfliefst nach 
der Geburt der erwähnten Tiere doch immer einige, wenn auch 
kurze Zeit, bevor sie sich fortbewegen. Es läfst sich auch 
schwer entscheiden, ob und was für Sinneseindrücke das Tier 
in dieser Zeit sammelt und verwerten lernt. 
Das junge Hühnchen, welches gleich nach dem Auskriechen 
umherläuft, pickt freilich nach umherliegenden Körnern, mufs 
die letzteren also sehen. Die beim Picken notwendigen Be¬ 
wegungen sind indes sehr einfache, immer in gleicher Weise 
wiederkehrende. Eine zweckentsprechende Auswahl unter vielen, 
möglichen Kopf- und Augenbewegungen, wie sie bei höheren 
Tieren sich mit der Verwertung der Gesichtseindrücke ver¬ 
bindet, findet hier nicht statt. Die Koordination zwischen den 
Gesichtseindrücken und den Kopfbewegungen der Hühnchen 
ist zunächst also eine möglichst einfache. Ebenso einfach sind 
die Augenbewegungen selbst. Ein binokulares Gesichtsfeld 
fehlt. Jedes Auge hat sein gesondertes Gesichtsfeld, in welchem 
alle Teile gleichwertig funktionieren und in welchem keine be¬ 
sondere Stelle, wie die macula lutea des Menschen, physiologisch 
prævaliert. Dieses Gesichtsfeld wird wenig durch Augenbe¬ 
wegungen, fast nur, und bei ganz jungen Tieren wohl immer, 
nur durch Kopfdrehungen relativ zum Raume (dem Erdboden) 
verschoben. Eine Beziehung zwischen den relativ fixen Netz¬ 
hautstellen, die von optischen Bildern getroffen werden, und 
den leuchtenden Objekten auf dem Erdboden, die die Netzhaut 
erregen, ist daher viel leichter möglich, als bei den höheren 
Tieren. 
Seit acht Jahren halte ich zu meinem Vergnügen ein Vogelhaus, in 
welchem durchschnittlich 150 Vögel, unter ihnen viele Papageien, frei 
umherfliegen, nisten und sich vermehren. 
Obwohl mir bekannt ist, dafs Vögel, namentlich Papageien, über
        

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