Bauhaus-Universität Weimar

Was ist unser Nervensystem und was geht darin vor? 
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Sinnesorgan, zu tliun haben. Dann ist ein besonderes Epithel, 
das Sinnesepithel, welches die Grenzschicht bildet, und es ist 
nicht der allgemeine Verhornungsprozefs, sondern ein eigen¬ 
tümlicher Lebensprozefs, welcher durch den Reiz getroffen 
und gestört wird. Dementsprechend werden auch die Produkte 
der Veränderung verschieden sein, d. h. jeder eigentümliche 
Sinnesnerv wird von verschiedenen chemischen Substanzen 
getroffen, wenn das ihm zugehörige Epithel gereizt wird. Daraus 
erklärt sich das Gesetz der specifischen Sinnesenergie. 
Also die Produkte der Veränderung der Epithelien sind 
die Erreger der Nerven. Aber wie ist diese Erregung aufzu¬ 
fassen? Um das zu verstehen, müssen wir die Beziehungen der 
Nerven zum Epithel untersuchen. In der Regel stellen wir 
uns vor, dafs jeder Nerv, auch der sensible, an der Peripherie 
ende, und wir sprechen deshalb von den Beziehungen der 
Nerven zum Oberflächenepithel als den peripheren Nerven¬ 
endigungen. Aber ist diese Auffassung wirklich mit dem ver¬ 
träglich, was wir schon jetzt über die Entstehung der Nerven 
wissen? Verhalten sich nicht vielleicht der sensible und der 
motorische Nerv wie, in Bezug auf ihre Leitung, so auch be¬ 
züglich ihres Wachstumes gerade entgegengesetzt? Nach den 
Untersuchungen von Herrn His haben wir allen Grund, anzu¬ 
nehmen, dafs im Embryo die sensiblen Nerven nicht aus dem 
Centralorgan heraus, sondern in dasselbe hin ein wachsen. Nun 
steht dem allerdings die HENSENsche Hypothese gegenüber, wo¬ 
nach der Nerv einen Faden darstellt, der zwei ursprünglich 
zusammengehörige Zellen der Peripherie und des Centralorgans 
verbindet, also der Rest eines ehemals direkten Zusammenhangs. 
Vielleicht brauchen wir für die Klärung unserer Anschauungen 
die Erledigung dieser embryonalen Kontroverse nicht abzu¬ 
warten. Möglich, dafs ein solcher Faden in einem frühen Sta¬ 
dium der Entwickelung existiert, aber ein solcher Faden ist 
noch kein Nerv, es ist vielleicht der Leitfaden, an dem der 
eigentliche Nerv entlang wächst. Und für die Art, wie dieses 
Wachstum geschieht, haben wir einen entscheidenden Anhalt 
an den Degenerationserscheinungen. Die sensiblen Nerven de¬ 
generieren in der Richtung nach dem Centrum. Die Degene¬ 
ration ist aber ohne Zweifel eine Ernährungsstörung. Die 
Nerven verlieren ihre Struktur, die ihnen eigentümlichen Sub¬ 
stanzen zerfallen, sie gehen in Fett und Bindegewebe über,
        

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