Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
X. Internationaler medizinischer Kongreß zu Berlin 1890: II. Sektion für Ohrenheilkunde
Person:
Krakauer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14327/1/
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Versammlungen. 
meter die Veränderung des Bildes, die wahrgenommen wird, wenn man, 
statt der Sehaxe, die Seheitelnormale zur Axe macht, d. h. die Kornea 
richtig centriert. 
In der Diskussion über Ophthalmometrie erinnerte Cohn (Breslau) 
an die Magnesiumphotographie, welche jetzt ausmefsbare Momentbilder 
auch bei unruhigem Auge liefert, und demonstrierte Aufnahmen von 
Keratoskopbildern. 
Valude (Paris) zeigte die jetzt in Prankreich fabrizierten 
Torusgläser. Eine Torusfläche ist die Bahn eines Kreises, der um eine in 
seiner Ebene liegende Grade gedreht wird. Die optische Wirkung kommt 
der einer sphärocylindrischen Kombination gleich, soll jene aber in peri- 
skopischer Ausdehnung des deutlichen Bildes übertreffen. 
Bernheimer (Heidelberg) machte eine vorläufige Mitteilung über seine 
Serienschnitte des Tractus opticus und seiner Wurzeln. Mit Be¬ 
nutzung der Markfasementwickelung an verschiedenaltrigen Embryonen 
gelang es, den Easerverlauf von der Ganglienzelle bis in den Traktus 
hinein in günstiger Isolierung zu verfolgen, was im erwachsenen Gehirn 
nicht möglich war. Pür einen Paserkomplex, der von einem, im vor¬ 
deren frontalen Teil des Thalamus liegenden Ganglienzellhaufen ent¬ 
springt, ist diese Untersuchung abgeschlossen. Diese Beobachtungen be¬ 
stätigten wieder, dafs die Markentwickelung von den Wurzeln des Seh¬ 
nerven bis zur Peripherie allmählich herabsteigt. 
X. Internationaler medizinischer Kongrefs zu Berlin 1890. 
II. 
Sektion fwr Ohrenheilkunde. 
Referiert von Dr. KRAKAUER-Berlin, 
Schriftführer der Sektion. 
In seinem Vortrage: „Über die vordere Tenotomie des Muse, 
tensortympani“ erörtert Professor Kessel-J ena die physiologischen V or- 
gänge beim Hören, indem er sich hierbei im allgemeinen der HELMHOLTzschen 
Theorie anschliefst. Speziell geht er auf das Accommodationsvermögen 
ein, worunter er die Fähigkeit versteht, das Ohr so einzurichten, dafs 
für übermäfsig starken und übermäfsig schwachen Schall eine deutliche 
Wahrnehmung entsteht: „Sinkt die Exkursion bis zur Amplitude der 
Schwelle der Empfindung herab, so kann die Amplitude vergröfsert, ist 
die Amplitude bis zur Abwehr gewachsen, so kann sie verkleinert werden.“ 
In der Ruhe ist die Steigbügelplatte für die Amplitude der deutlichen 
Wahrnehmung eingestellt. Zum Accommodationsapparat gehören vor 
allem die Binnenmuskeln des Ohres, der Tensor tympani und der Stapedius. 
Ersterer verkleinert durch Dauerkontraktionen die Amplitude der Abwehr 
indem er die Widerstände im schallleitenden Apparat vermehrt, letzterer 
vergröfsert die Amplitude der Schwelle durch Verminderung der Wider¬ 
stände. Hand in Hand damit gehen Veränderungen der Resonanz am 
Trommelfell. Der Tensor schwächt durch seine Kontraktion die Klänge 
und Geräusche, besonders des unteren Hörbereiches (8—64 Schwingungen),
        

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