Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Congrès international des Psychologie physiologique: Compte rendu présenté par la Société de psychologie physiologique. 157 S., Paris 1890, Bureau des Revues
Person:
Sperling
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14325/3/
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Idtteraturbericht 
Gehirn, 2. Annahme derselben und 3. Verwirklichung derselben, und 
zwar so, dafs auch der Versuch der Realisation von seiten des In¬ 
dividuums schon für den Begriff der Suggestion genügt. 
Die Auffassung des Somnambulismus (somnambulisme provoqué) 
als eines hypnotischen Zustandes mit mehr oder weniger voll¬ 
kommener Amnesie nach dem Erwachen (Bernheim) ist wohl all¬ 
gemein anerkannt. 
Ochorowicz brachte die Frage der hypnotischen Empfäng¬ 
lichkeit zur Diskussion. Das ganze Thema, welches einen enormen 
Umfang hat, konnte natürlich nicht besprochen werden. Besonders 
interessierte die Frage, ob Hypnotisierbar keit und hysterischer 
(neuropathischer) Zustand insoweit identisch wären, dafs der eine 
Zustand den andern in sich schliefse und umgekehrt. Die Frage wurde 
besonders in Anbetracht der reichen gegenteiligen Erfahrungen, die 
Bernheim zur Geltung brachte, allgemein verneint. — Die Hypnotisier¬ 
bar keit, so liefs sich die Ansicht des Kongresses weiter vernehmen, 
ist nur wenig geknüpft an die Individualität der Rasse, und sie hängt 
ebensosehr ab von dem Geschick und der Übung des Hypnotiseurs wie 
von der allgemeinen und sogar auch augenblicklichen Stimmung des 
Individuums. — Die Bedeutung des von Ochorowicz demonstrierten 
Hypnoskops, eines ringförmigen Magneten, zur Erkennung der 
Hy pnotisierbarkeit durch gewisse an dem betr. Individuum aus¬ 
gelöste motorische und sensible Reizerscheinungen wird von Delboeuf 
u. a. mit Recht angezweifelt. Aus andern von Mme. Sidgwick (London), 
Ch. Richet , Myers (London) u. a. geäufserten Erfahrungen scheint un¬ 
zweifelhaft hervorzugehen, dafs gerade die Individualität des Hypnoti¬ 
seurs eine ungemein wichtige Rolle spielt. 
Von Ochorowicz wurde ferner die Frage aufgeworfen, ob alle Er¬ 
scheinungen des hypnotischen Zustandes allein als durch 
Suggestion hervorgerufen erklärt werden könnten. 
Ochorowicz stellte sich auf den Standpunkt, dafs eine rein physi¬ 
kalische Mafsnahme (z. B. Auflegen der Hände auf den Kopf u. s. w.) 
Hypnose herbeiführe, er betonte auch die Thatsache, dafs sich als 
Folge einer Hypnose häufig Zustände einstellen, die der Hypnotisierende 
durchaus nicht hervorzurufen beabsichtigt hatte, z. B. später Schlaf — 
— bei vorausgegangener Schlaflosigkeit — nach einer Hypnose, in der 
nur die Suggestion gegeben war, dafs eine Neuralgie oder dergl. ver¬ 
schwinden solle. Bernheim dagegen meinte — und Forel stimmte ihm bei—, 
dafs zwischen die physikalische Einwirkung und den in der eingetretenen 
Hypnose, dem Aufhören von Schmerzen u. s. w. sich äufsernden Erfolg 
ein psychischer Vorgang trete, welcher die Vermittelung zwischen beiden 
übernehme; an jede physische Einwirkung, meint er, knüpfe sich zuerst 
eine Idee bei dem beeinflufsten Individuum (Autosuggestion), durch 
welche dann erst weitere Wirkungen ausgelöst würden. 
In einer andern Sitzung präzisierte Babinski auf Ersuchen des Prä¬ 
sidenten die Lehren der CHARCOTschen Schule : Die wichtige Rolle der 
Suggestion wird anerkannt, aber die Unabhängigkeit gewisser hypnotischer 
Zustände, wie der 3 Stadien des grand hypnotisme, von der Suggestion
        

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