Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Sprenger: Mohammed und der Koran, Eine psychologische Studie. Sammlung gemeinverst. wissenschaftl. Vorträge, Heft 84/85, 74 S., Hamburg Verlagsanstalt, 1889
Person:
Pelman, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14323/1/
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hi tteraturberich t. 
ruhelos von seinem Wahne von Stadt zu Stadt, von Land zu Land ge¬ 
trieben wird. 
Und trotz alledem bleibt er ein grofser Geist. 
Der Ansspruch Grimms über ihn und seine „Gespräche“, „Ohne 
Zweifel war R. verrückt, als er das Werk verfafste, aber es scheint nicht 
weniger gewifs, dafs R. der einzige Mensch auf der Welt war, der es 
schreiben konnte,“ enthält die Anerkennung seines erbittertsten Gegners, 
der wir nur zustimmen können. 
Die ungewöhnlich hohe Intelligenz R.’s ermächtigt ihn trotz seiner 
Geistesstörung zu so wunderbaren Leistungen, wie wir sie in seinen 
„Bekenntnissen“ vor uns sehen, während die Gröfse seines Charakters 
ihn vor jeder niedrigen Handlungs- und Denkweise bewahrte. 
Für uns Psychiater ist diese „Krankheitsgeschichte“ von besonderem 
Interesse, und zwar nicht nur dem Inhalte, sondern auch der Form nach. 
Sie lehrt uns unter anderem, was wir allzu leicht vergessen, dafs 
die Geistesstörung unter Umständen die Persönlichkeit wohl beeinträch¬ 
tigen, aber nicht von Grund aus verändern, und ein wahrhaft grofser 
Mensch auch noch in seiner Erkrankung grofs bleiben kann. 
Pelman. 
A. Sprenger. Mohammed und der Koran. Eine psychologische Studie. 
Sammlung gemeinverst. wissenschaftl. Vorträge. Heft 84/85. 74 S. Hamburg 
1889, Verlagsanstalt. Preis JL 1.20. 
Mohammed und der Koran betitelt sich eine Arbeit, die in der 
Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge von Virchow 
und Holtzendorff erschienen ist (Heft 84/85), und Herrn A. Sprenger in 
Heidelberg zum Verfasser hat. Durch den Zusatz „eine psychologische 
Studie“ soll doch wohl die Art der Auffassung angedeutet werden. Nun 
wird man aber bei aller Aufmerksamkeit von einer psychologischen Auf¬ 
fassung herzlich wenig Anden, und wer ohne anderweitige Belehrung 
über Mohammed und den Koran seine Kenntnisse lediglich aus der vor¬ 
liegenden Studie schöpfen will, wird schwerlich seine Rechnung Anden. 
Offenbar kommt Mohammed hier gar zu schlecht weg, und eine psycho¬ 
logische Entwickelung seiner Eigenart und seines Werkes wird kaum 
versucht. Den Propheten einfach mit der Diagnose des „religiösen 
Wahnsinnes“ abzuthun, scheint mir bei einem Manne von der Bedeutung 
Mohammeds doch etwas gewagt zu sein. 
Gewifs ist vieles in dem Leben des Propheten recht bedenklicher 
Natur, und es wäre eine ebenso dankenswerte wie schwierige Aufgabe, 
seine psychologische Entwickelungsgeschichte zu schreiben. . 
Ein Geisteskranker in unserem Sinne war er sicherlich ebensowenig, 
wie ein gewöhnlicher Betrüger, obwohl er zeitweilig den Tribut ent¬ 
richten mufste, ohne den nun einmal kein Prophet durchkommt, wenn 
er sich über Wasser halten will. 
Wenn der Koran reich an Widersprüchen ist, so erklärt sich dies 
aus der Art seiner Entstehung, indem er alle Ereignisse aus dem Leben 
des Propheten, die grofsen sowohl wie die kleinen, in augenblicklichen 
Momentbildern wiederspiegelt, und uns so eine getreue Kunde von der 
jeweiligen Gemütsstimmung Mohammeds gibt. Seine Dogmen wurzeln in
        

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