Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Fr. Scholz: Handbuch der Irrenheilkunde. Gr. 8°. VIII u. 184 S., Leipzig 1890, E. H. Mayer
Person:
Peretti
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14320/1/
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Litteraturbericht. 
Die Schilderung der einzelnen Formen, so namentlich der Melancholie, 
enthält hei aller Knappheit ein treffendes Bild der Erkrankung, und gut 
ausgewählte Beispiele unterstützen das Verständnis. 
Man merkt es dem Buche an und es kommt ihm zu gute, dafs sein 
Verfasser jahrelang einer der gröfsten Privatanstalten Deutschlands vor¬ 
gestanden hat, und dafs er ein ebenso scharfer wie durch und durch 
praktischer Beobachter ist. Die eingestreuten Bemerkungen über Schüler¬ 
selbstmord, Einflufs der Presse, Überbürdung der Schuljugend u. s. w, 
sind vortrefflich,“ und zumal wir Psychiater von Fach haben alle Ur¬ 
sache, ihm ebenso dankbar zu sein für das, was er hier giebt, als auch 
für das, was er unterläfst. 
Gerade Laien gegenüber ist es doppelt geboten, nur das zweifellos 
Feststehende zu geben, und alle noch etwa strittigen Gebiete zu vermeiden, 
wie es deren in einer so jungen Wissenschaft, wie es die Psychiatrie 
nun einmal ist, leider noch viele giebt. Hier liegt die Gefahr besonders 
nahe, dafs derartige, nicht von allen geteilte Ansichten, einseitig auf- 
gefafst und zum Nachteile des Einzelnen wie der ganzen Wissenschaft 
verwertet werden, weshalb sie in einem für weitere Kreise bestimmten 
Werke am besten ganz unberührt bleiben. 
Aus einer gleichen Erwägung hätte auch das sogenannte „moralische 
Irresein“ ruhig fortfallen können, um so mehr, als es schwer halten 
dürfte, auf Grund der vorliegenden Schilderung zu einer Erkenntnis zu 
gelangen, weshalb ein solcher „moralisch Irrer“ ein Geisteskranker und 
kein Verbrecher sei. 
Die letzten Kapitel „Vorbeugende Mafsregeln“ und „Behandlung“ 
enthalten gewissermafsen die Nutzanwendung der bisherigen Ausführungen, 
und es unterliegt keinem Zweifel, dafs es um die Geisteskranken ein 
ganz Teil besser stehen würde, wenn alles das auch gewissenhaft befolgt 
würde, was hier angeraten wird. 
Wir können daher das Buch allen denen auf das angelegentlichste 
empfehlen, die Veranlassung haben, sich mit Irren und Irrenpflege be¬ 
schäftigen zu müssen, ohne gerade zünftige Psychiater zu sein. 
Pelman. 
Fr. Scholz. Handbuch der Irrenheilkunde. Gr. 8°. VIII u. 184 S. Leipzig, 
1890, E. H. Mayer. Preis M. 3.60. 
Der Versuch, „Kürze mit möglichster Vollständigkeit zu verbinden, 
alles Spekulative auszuscheiden und nur Thatsachen zu bringen“, ist Sch. 
bei Abfassung seines Handbuches nicht mifslungen; das nur 184 Seiten 
starke Bändchen umfafst in fünf Abschnitten das Wesentliche der Psy¬ 
chiatrie und läfst selbst die juristischen Fragen nicht unberührt, Ent¬ 
sprechend der Bestimmung des Buches für Ärzte und Studierende, welche 
die Psychiatrie nicht zur ihrer Specialität erwählt haben, hat Verfasser 
den fünften und letzten Abschnitt „Allgemeine Diagnostik und Therapie“, 
welcher räumlich den vierten Teil des ganzen Werkes ausmacht, besonders 
eingehend bearbeitet, und das Kapitel über die psychiatrische Unter¬ 
suchung wird manchem von Nutzen sein können. Von den andern Ab¬ 
schnitten enthält der erste die psychischen Elementarstörungen, der 
zweite die körperlichen Elementarstörungen und Begleiterscheinungen,
        

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