Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theobald Güntz: Die Geisteskranheiten, Geschildert für gebildete Laien. 156 S., Leipzig 1890, J. J. Weber
Person:
Pelman, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14319/1/
Litter a turberich t. 
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Anzahl neugeborener Hunde, Kaninchen und Katzen bald nach der Ge¬ 
burt gröfsere Partien der Iris auf einer Seite entfernt. Die Operation 
hatte nur bei wenigen Tieren den gewünschten Erfolg, da hei der Mehr¬ 
zahl das Auge zu gründe ging. Die geeigneten Tiere wurden nach 
mehreren Monaten getödtet, die Gehirne in lückenlose Serien geschnitten. 
Die Vergleichung der beiden Hirnhälften mufste nun Differenzen ergeben. 
Es zeigte sich eine geringere Entwickelung des Ganglion habenulae auf 
der operierten Seite. Das Ganglion habenulae ist eine Ansammlung von 
Zellen in einem dreieckigen Felde — trigonum habenulae — welches 
lateral der hinteren Kommissur anliegt. 
Nach früheren rein anatomischen Untersuchungen gehen Pupillar- 
fasern in das Ganglion habenulae und in die Glandula pinealis. M. hält 
nunmehr ersteres für das reflektorische Centrum der Pupillenbewegung. 
Ein Teil der hinteren Kommissur stellt auch die Verbindung zwischen 
den beiden Ganglien habenulae dar. In dieser Kommissur fehlten an 
der dem atropischen Ganglion anliegenden Seite Fasern. Dies deutet 
den Weg zum Sphincterenkern. Da der Oculomotoriuskern stets gesund, 
der GuDDENSche Kern aber zwei Mal erkrankt gefunden wurde, stellt M. 
die Reflexbahn so dar: Nervus opticus, Tractus opticus, Ganglion habe¬ 
nulae derselben Seite, hintere Kommissur, GumiExscher Kern, Ooulomo- 
torius. Kronthal (Berlin). 
O. Damsch. Ober Pupillenunruhe (Hippus) bei Erkrankungen des Central¬ 
nervensystems. Neurol. Cmtralbl. 1890, No. 9. 
Kleine Oscillationen der Pupillen sind auch beim gesunden Menschen 
zu beobachten. Stärkere Schwankungen der Pupillenweite (Hippus) hat 
D. bei einigen Erkrankungen des Nervensystems gesehen. Es handelt 
sich also um Steigerung einer physiologischen Erscheinung, die hervor¬ 
gerufen sein kann durch abnorm starke Reize oder eine übergrofse 
Empfindlichkeit des bewegenden Centrums. Auch pathologische Vor¬ 
gänge im Centralnervensystem können jenes Centrum zu stark er¬ 
regen, wie es auch selbst erkrankt zu starke Reize auslösen kann. 
Kronthal (Berlin). 
Theobald Güntz. Die Geisteskrankheiten. Geschildert für gebildete 
Laien. 156 S. Leipzig 1890, J. J. Weber. Preis M. 2.—. 
Wie schon der Titel besagt, soll, was hier vor uns liegt, kein Lehr¬ 
buch der Psychiatrie sein, und der Herr Verfasser bestätigt dies aus¬ 
drücklich in der Einleitung. Sein Zweck ist, gegen die Unkenntnis und die 
Vorurteile der Laien anzukämpfen, die sofort und überall da zu Tage treten, 
wo es sich um Geisteskranke handelt. Dementsprechend werden wir keine 
wissenschaftliche Schilderung der Geisteskrankheiten in all ihren Formen 
und Phasen zu erwarten haben, sondern lediglich eine Beschreibung der 
Anfangsstadien, um auf Grund der Erkenntnis der Ursachen womöglich 
eine Verhütung der Geisteskrankheit anzustreben (S. 4). Dieses Programm 
hat der Verfasser mit unleugbarem Geschick ausgeführt. Überall hat 
er das Ziel der Belehrung und das Verständnis des Laien im Auge, seine 
Ausführungen sind kurz und klar und frei von allem gelehrten Beiwerk.
        

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