Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. Mendel: Über reflektorische Pupillenstarre. Deutsche mediz. Wochenschrift 1889, No 47
Person:
Kronthal, P.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14315/1/
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Litter aturbericht. 
führlicher wiedergegeben und kritischen Betrachtungen unterworfen. 
Berner wird die Theorie der willkürlichen sinnlichen Aufmerksamkeit 
von G. E. Müller gemäfs den modernen psychophysischen Ansichten 
modifiziert und weiter ausgeführt. Es wird unterschieden zwischen 
einer qualitativen Richtung der Aufmerksamkeit, einer lokalen und einer 
Richtung der Aufmerksamkeit auf bestimmte Intensitäten der Sinnes¬ 
eindrücke. Zum Schlufs wird das Verhalten der Aufmerksamkeit bei 
den Reaktionsversuchen erörtert; insbesondere wird gezeigt, dafs man 
weder durch die DoNDERSSche noch durch die WuNDTSche Methode die 
reine Erkennungszeit erhalten kann. Schumann (Göttingen). 
J. Paneth. Versuche über den zeitlichen Verlauf des Gedächtnisbildes. 
Mitgeteilt von Sigm. Exner. Centralbl. f. Physiol., IV, 1890. S. 81—83. 
P. prägte sich zeitliche Intervalle von Bruchteilen einer Sekunde 
bis zu mehreren Sekunden ein und versuchte diese nach einer gewissen 
Pause (bis zu 5 Minuten) durch Niederdrücken einer Taste zu reprodu¬ 
zieren, um so die abnehmende Schärfe des Gedächtnisbildes als Funktion 
der Zeit zu ermitteln. Es ergab sich, dafs die Schärfe des Gedächtnis¬ 
hildes solcher Zeitintervalle im Laufe von 5 Minuten nur um so Geringes 
abnimmt, dafs die Abnahme mit den angewandten Methoden nicht sicher 
erkannt werden konnte. 
Wie E. richtig hinzufügt, ist dieses scheinbar überraschende Re¬ 
sultat so zu erklären. Ein sinnlicher Eindruck rein als solcher schwindet 
ziemlich schnell, und wenn man ihn lediglich passiv erlebt hat, so ist 
man nur wenige Sekunden lang im stände, sein Erinnerungsbild noch zu 
reproduzieren. Hat man dem Eindruck aber in einer bestimmten Absicht 
die Aufmerksamkeit zugewandt, so wird er in Verbindung mit bereits 
bestehenden Erinnerungen gebracht, er wird gleichsam an einer gewissen 
Stelle des vorhandenen Vorstellungsschatzes eingetragen und rubriziert. 
Wir sind dann später im stände, nicht sowohl den Eindruck als solchen 
wieder hervorzurufen, als vielmehr uns jenes Ortes und jener Beziehungen 
zu erinnern, die er in unserem Gedächtnisschatz zugewiesen bekommen 
hat, und hierbei ist es dann ziemlich gleichgültig, ob das 5 Sekunden 
oder 5 Minuten nach dem Sinneseindruck geschieht. Ebbinghaus. 
E. Mendel. Über reflektorische Pupillenstarre. Deutsche mediz. Wochen¬ 
schrift 1889. No. 47. 
Fällt Licht auf die Retina, so erweitert sich die Pupille. Es mufs 
also im Hirn ein Reflexbogen existieren vom Opticus zum Oculomotorius. 
Diese Bahn wurde allgemein so konstruiert: Tractus opticus, Vierhügel, 
MEYNERTSche Fasern, Sphinkterencentrum im Oculomotoriuskern, Oculo¬ 
motorius, trotzdem Versuche von Knoll und von Gudden nicht dafür 
sprechen. Diese Forscher zerstörten nämlich die Vierhügel und fanden 
keine Störung der Pupillenreaction. 
Zerstört man bei einem neugeborenen Tier ein Organ, so bleibt der 
dieses Organ versorgende Teil des centralen Nervensystems in der Ent¬ 
wickelung zurück. Auf Grund dieser Erfahrung wurden bei einer grofsen
        

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