Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
1. Ang. Mosso: Über die Gesetze der Ermüdung, Untersuchungen an Muskeln des Menschen, 2. Arn. Maggiora: Über die Gesetze der Ermüdung, Untersuchung an Muskeln des Menschen, 3. Warren T. Lombard: The effect of fatigue on voluntary muscular contractions
Person:
Mueller, G. E.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14312/3/
Besprechungen. 
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sache, dafs die Anämie der Muskeln zunächst erhöhend auf die Erreg¬ 
barkeit derselben wirkt.1 Wird nun während der Fortdauer der Muskel¬ 
anämie in einem Stadium, wo die durch die elektrische Nervenreizung 
erzielten Hubhöhen noch gröfser sind, als sie vor Herstellung der Anämie 
waren, die elektrische Beizung sistiert und die Versuchsperson aufge¬ 
fordert , die Fingermuskeln willkürlich zur G-ewichtshebung zu kon¬ 
trahieren, so gelingt es derselben trotz aller Anstrengungen nicht, das 
Gewicht auch nur um ein Geringes zu bewegen. Hingegen hat die 
elektrische Beizung des motorischen Nerven sofort wieder dieselbe 
Kontraktion wie vorher zu Folge. Gegen den Verdacht, dafs die Hem¬ 
mung der Willenswirkung von der Kompression des Nerven abhänge, 
schützte sich Mosso dadurch, dafs er die Elektroden höher gegen die 
Achsel zu anlegte und die Kompression tiefer unten vornahm. „Wenn 
die Hemmung von der Kompression des Nerven abhinge, hätte nun nicht 
nur die Wirkung des Willens ausbleiben müssen, sondern auch die des 
Nervenreizes, was aber nicht der Fall war.“ Für denjenigen, welcher 
die hier in Bede stehende Erscheinung (auf die wir am Schlüsse dieser 
Besprechung bei einer allgemeineren Betrachtung noch zurückkommen 
werden), vom psychologischen Standpunkte aus erwägt, ist vielleicht die 
Bemerkung nicht unwichtig, dafs während der Anämie des Armes die 
Tastempfindung in dén blutleeren Fingern gut erhalten war, „soweit sich 
dies durch den Erfolg einfacher Berührungen feststellen liefs“. 
4. Mosso stellte ferner Versuche von der Art an, dafs die Muskeln 
bei jeder Kontraktion nur so lange auf das Gewicht wirkten, als ihre 
Kontraktion einen bestimmten, für alle Versuche konstanten Grad noch 
nicht erreicht hatte; war dieser Punkt erreicht, so vollzog sich die 
weitere Kontraktion ohne jede Belastung, abgesehen natürlich von dem 
Schreibapparate und Zubehör. Wurden nun bei derartigen Versuchen 
die Muskeln durch Nervenreizung zur Kontraktion veranlafst, so ver¬ 
ringerte sich infolge der Ermüdung im Verlaufe der Versuchsreihe die 
Strecke, um welche sich die Muskeln nach ihrer Entlastung weiter ver- 
1 Dieser förderliche Einflufs der Anämie auf die Muskelerregbarkeit 
ist vom Beferenten (Nachr. v. d. Ges. d. Wiss. zw Göttingen, 1889, S. 162) durch 
das von ihm auf Grund einer Analyse der myothermischen Erscheinungen 
aufgestellte und als myothermisches Grundgesetz bezeichnete allgemeine 
Gesetz erklärt worden, dafs jede Verringerung des osmotischen Druckes, 
unter dem der Muskelsaft steht, im Sinne einer Zunahme der Muskel¬ 
erregbarkeit (im Sinne einer Erleichterung der Auslösung der im Muskel¬ 
safte angehäuften chemischen Spannkräfte) sich geltend macht.. Nach 
physikalischen Gesetzen mufs die Herstellung einer Muskelanämie not¬ 
wendig von einer Abnahme jenes im Muskelsaft herrschenden Druckes 
begleitet sein. Da ferner die an der Oberfläche eines ausgeschnittenen 
Muskels unter Umständen vor sich gehende Verdunstung gleichfalls im 
Sinne einer Abnahme jenes Saftdruckes wirken mufs, so hat Beferent 
als eine Bestätigung des obigen myothermischen Grundgesetzes schon 
früher (a. a. O. S. 151) auch die von Blix festgestellte Thatsache ange¬ 
führt, dafs der Muskel bei der Beizung mehr Wärme entwickelt, wenn 
er von trockener Luft umgeben ist, als dann, wenn er sich in einer 
feuchten Atmosphäre befindet. Hierzu kommt noch als eine weitere, 
schöne Bestätigung des obigen Gesetzes die von Kunkel in seinen Unter¬ 
suchungen „ Über eine GrundwirJcung von Giften auf die quergestreifte Muskel- 
IS*
        

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