Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. Münsterberg: Beiträge zur experimentellen Psychologie, Heft 2, Freiburg i. B., Mohr 1889, 234 S.
Person:
Schumann, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14303/1/
Littemturbericht. 
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hierauf giebt R. einerseits eine eingehende und sorgfältige Diskussion 
der Voraussetzungen, welche den drei verschiedenen von Fechner gege¬ 
benen Ableitungen unausgesprochen zu Grunde liegen, und versucht 
andrerseits, um mancherlei hierbei sich ergebende Bedenken zu ver¬ 
meiden, eine neue und strenge Ableitung. Unter den Annahmen, dafs 
die Funktion, welche die Abhängigkeit der Empfindung von den Reizen 
ausdrückt, stetig und difierenzierbar ist, sowie dafs sie zwischen ihrem 
Anfang und Ende keine Maxima und Minima hat, sondern ununterbrochen 
zunimmt, gelangt er zu der logarithmischen Formel mit Hilfe des Tay- 
LORSchen Satzes, in einer Weise, die eine verkürzte Darstellung nicht 
zuläfst. Ebbinghaus. 
H. Münsterberg. Beiträge zur experimentellen Psychologie. Heft 2 
Freiburg i. B., Mohr, 1889. 234 S. M. 4. 
Der Verfasser, Privatdocent der Philosophie in Freiburg, teilt in 
den „Beiträgen“ die Resultate von experimentellen Untersuchungen mit, 
die er in seinem Privatlaboratorium ausgeführt hat. Die sämtlichen 
Untersuchungen sollen ein gemeinschaftliches Ziel haben in der Be¬ 
kämpfung von Wundts Apperzeptionstheorie und in dem Nachweis, dafs 
alles, was dort der Thätigkeit des Bewufstseins zugeschrieben wird, auf 
psychophysisch verständliche Veränderungen des Bewufstseinsinhaltes 
zurückzuführen sei. Dieser Nachweis soll hauptsächlich experimentell 
geführt werden. — Nun enthalten zwar die bis jetzt vorliegenden Hefte 
wertvolle Versuchsthatsachen, leider aber auch eine grofse Zahl wenig 
oder gar nicht begründeter Theorien, welche die Hauptstütze der Beweis¬ 
führung des Verfassers bilden. In dem hier folgenden Referate über 
den Inhalt des zweiten Heftes beschränkt sich Referent auf die Anfüh¬ 
rung der Versuchsthatsachen und der Hauptpunkte der theoretischen 
Erörterungen. 
Die erste Abhandlung „Der Zeitsinn“ beschäftigt sich mit den Grund¬ 
lagen der Vergleichung von Zeitintervallen. Der Verfasser will durch 
Selbstbeobachtung festgestellt haben, dafs die Grundlage für alles Zeit¬ 
schätzen Spannungsempfindungen bilden, und zwar sollen diese Spannungs¬ 
empfindungen in den Muskeln der verschiedensten Organe dadurch her¬ 
vorgerufen werden, dafs sich die Aufmerksamkeit den das Zeitintervall 
begrenzenden Eindrücken zuwende. Jeder Eindruck rufe reflektorisch 
Muskelkontraktionen hervor, welche eine Adaptation des Sinnesorganes 
tmd dadurch ein Deutlicherwerden der Empfindung bewirkten. Der 
Eintritt der fso entstehenden Spannungsempfin düngen und des Deut¬ 
licherwerdens der Empfindung sei die Aufmerksamkeit selbst. — Von 
der Aufmerksamkeit als einem besonderen inneren Vorgänge könne er 
durch Selbstbeobachtung nichts wahrnehmen und einen über dem psy¬ 
chophysischen Mechanismus schwebenden rein geistigen Faktor dürfe 
man nicht annehmen. Wenn nun noch während des Vorhandenseins 
der vom ersten Eindrücke ausgelösten kontinuierlich abnehmenden 
Spannungsempfindung der zweite das Intervall begrenzende Eindruck 
eintrete, so habe man an der Intensität der Spannungsempfindung ein 
Mafs für die Gröfse der Zwischenzeit. Da man ferner voraus wüfste, 
Zeitschrift für Psychologie. 9
        

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