Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Goldscheider: Über die Empfindlichkeit der Gelenkenden. Sitzgs.-Ber. der Berliner Physiolog. Gesellsch. vom 14. März 1890, Arch. für Anatomie und Physiologie 1890, S. 380-384
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14297/1/
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Litter aturbericht. 
möge, ist ganz abzulehnen. Vielleicht käme sie für die Fälle in Betracht, 
wo der Vokal auf einen so hohen Ton gesungen wird, dafs der untere 
maximale Resonanzton unterhalb des Grundtones liegt. Auf solche Fälle 
dehnte Verfasser seine Versuche noch nicht aus, glaubt jedoch, dafs 
dann die Vokalhildung überhaupt nach komplizierteren Gesetzen vor 
sich gehen dürfte. Auch abgesehen hiervon bezeichnet Pippinq seine 
Untersuchungen als durchaus nicht erschöpfend. Indessen sind dieselben 
offenbar mit einem bemerkenswerten Aufwand von Sorgfalt und Mühe 
angestellt, so dafs sie ohne Zweifel ein sicheres Fundament für weitere 
Forschungen abgehen. Schaeper (Jena.) 
Prouho. Du sens de l’odorat chez les étoiles de mer. Comptes rendus, 
Bd. CXI. S. 1843. Juni 1890. 
Bringt man in die Nähe eines ruhenden Seeigels (Asterias glacialis) 
eine Lockspeise z. B. einen todten Fisch, so bewegt sich der Seeigel 
lebhaft in der Richtung nach dem Objekte hin. Lebende Fische, die 
festgehunden sind, werden mit einem Arm ergriffen und dem Munde 
genähert. Dafs die Augen nicht die lebhafte Bewegung veranlassen, 
läfst sich durch Exstirpation derselben nachweisen, wodurch das Wahr¬ 
nehmungsvermögen des Seeigels nicht leidet. Bei weiteren Versuchen 
wurde das Versuchstier von der Lockspeise durch eine undurchsichtige 
Wand getrennt, in welcher an einer bestimmten Stelle eine Öffnung 
war. Der Seeigel kroch immer in der Richtung auf dieselbe. Werden 
die Taster abgeschnitten, so hört die Wahrnehmung auf, auch hei voll¬ 
ständiger Erhaltung der Augen. Durchtrennen der peripheren Nerven 
beeinträchtigt die Reaktionsfähigkeit der Taster nicht, macht jedoch den 
centralen Teil des Körpers vollständig teilnahmlos. 
Aus diesen Versuchen schliefst Prouho auf die Anwesenheit eines 
ziemlich gut entwickelten chemischen Sinnes, welcher in den Tastern 
seinen Sitz hat und den Gesichtssinn, wenigstens bei Asterias, an Fein¬ 
heit übertrifft. Burckhardt (Berlin). 
A. Goldscheider. Über die Empfindlichkeit der Gelenkenden. Sitzgs.- 
Ber. der Berliner Physiolog. Gesellsch. vom 14. März 1890. Arch, für 
Anatomie und Physiologie 1890. S. 380—384. 
Da die Gelenkkapseln erwiesenermafsen mit Nerven und Nerven¬ 
endigungen versehen sind, so ist damit ein anatomisches Substrat für 
Sensationen gegeben, die, hei Bewegungen durch Faltungen etc. der 
Kapsel hervorgerufen, zur Auslösung von Bewegungsempfindungen bei¬ 
tragen können. Zu untersuchen war, oh auch für Widerstandsempfin¬ 
dungen, ausgelöst durch das Aneinanderpressen der freien Gelenkenden, 
ein solches Substrat vorhanden. Genügende mikroskopische Unter¬ 
suchungen liegen nicht vor. Es wurde nun an Kaninchen — Frösche 
eigneten sich nicht gut — die untere Gelenkfläche der Tibia mechanisch 
und thermisch gereizt, und es gelang durch diese Reize die Atmung 
reflektorisch zu beeinflussen. Die Reizbarkeit blieb bestehen, nachdem 
die Gelenkoberfläche mit dem Messer abgetragen, und erlosch auch nicht
        

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