Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rumpf: Sensibilitätsstörung und Ataxie. Deutsch. Arch. f. klin. Med., Bd. XLVI, S. 35, Marburg
Person:
Kronthal, P.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14295/1/
Litteraturbericht. 
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durch Versuche gezeigt, dafs das merkliche Minimum von Exkursion bei 
passiver und aktiver Bewegung sich nicht wesentlich voneinander unter¬ 
scheiden. Durch künstliche Herabsetzung der Sensibilität wird die 
Bewegungsempfindung in derselben Weise abgestumpft wie für passive 
Bewegungen. Es gelingt endlich, auch untermerkliche aktive Bewe¬ 
gungen auszuführen, so dafs also ein Übergang besteht von dem blofse-n 
Vorstellungsbild der Bewegung durch ein Stadium des Zweifels über 
eine stattgehabte Willkür-Bewegung bis zum deutlichen Eindruck einer 
solchen, ein Übergang, welcher durch die wachsende Elongationsgröfse 
der Gelenkbewegung des peripherischen Gliedteiles markiert wird. Die 
Vorstellung des aktiven Bewegens kommt dadurch zu stände, dafs eine 
von der Peripherie zugeleitete Bewegungsempfindung einer vorher 
gefafsten Bewegungsvorstellung entspricht. Auch die übrigen bei der 
Ausführung willkürlicher Bewegungen uns zugehenden Empfindungen, 
insoweit sie die vorher gefafste Bewegungsvorstellung angehen, werden 
von uns als Attribute unserer Willensthätigkeit aufgefafst. Indem also 
in die primäre Vorstellung einer intendierten Bewegung Bewegungs- 
Empfindungen von einer gewissen Intensität, Schwere- und Widerstands- 
Empfindungen von einer gewissen Intensität einschneiden, wird die Vor¬ 
stellung, dafs diese Empfindungen die Folge einer willkürlichen Hand¬ 
lung sind, dahin erweitert, dafs letztere als ein Kraftaufwand von einer 
gewissen Stärke gedeutet wird. 
Goldscheider (Berlin). 
Rumpf. Sensibilitätsstörung und Ataxie. Deutsch. Arch. f. Min. Med 
Bd. XLVI. S. 35. Marburg. 
Ataxie nennt man einen Zustand, in welchem die zu einer kompli- 
cierten Bewegung notwendig zu innervierenden Muskelgruppen in einer 
für die Erreichung des Zieles nicht zweckmäfsig koordinierten Weise 
in Thätigkeit versetzt werden. (Defin. d. Ref.) 
Nach Leyden, Goldscheider u. a. kommt die Ataxie durch Störung 
der Sensibilität zustande. Verfasser ist auf Grund klinischer Beobachtung 
nicht dieser Ansicht. Er hat Fälle hochgradiger Sensibilitätsstörung 
ohne Ataxie gesehen. Bei einem Patienten, der beide Erscheinungen 
hot, untersuchte R., wie viel die Kontrole der Augen das Gefühl ersetzen 
kann. Die Schrift des Gesunden wird durch Schlufs der Augen nicht 
geändert. Ist Sensibilitätstörung vorhanden, so wird die Schrift hei 
Augenschlufs gröfser, ist noch Ataxie dabei, so wird sie noch deutlicher 
ataktisch. 
Verfasser giebt folgende Erklärung: Der Gesunde kontrolliert seine 
Schrift mit den Augen. Schliefst er sie, so tritt das Centrum der Em¬ 
pfindungen für die bewegten Apparate ein. Ist die Sensibilität herab¬ 
gesetzt, so müssen die Bewegungen gröfser sein, um percipiert zu werden. 
Daher wird die Schrift gröfser, aber nicht ataktisch. 
Kronthai. (Berlin).
        

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