Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
1. Über den Muskelsinn und die Theorie der Ataxie. Zeitschrift für klinische Medicin, Band XV, 1889, S. 82-161. 2. Untersuchungen über den Muskelsinn, Selbstanzeige. Arch. f. Anat. u. Phys., Phys. Abt., 1889, S.369-502, Suppl.-Bd. S. 141-218
Person:
Goldscheider, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14294/4/
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Litteraturbericht. 
während der Abwärtsbewegung auf einen festen Körper auf setzen läfst, 
so hat man eine sehr deutliche Widerstands-Empfindung. Diese Sensa¬ 
tion bedarf natürlich, um die Vorstellung eines äufseren Widerstandes 
zu'erwecken, gewisser Verknüpfungen mit anderen Eindrücken und Vor¬ 
stellungen; sind aber diese Bedingungen gegeben, so ist sie in hohem 
Grade geeignet, aus der begleitenden Empfindung der erschwerten Be¬ 
wegung die Vorstellung eines aufserhalb befindlichen schweren Objekts 
zu entwickeln. Auch die Druckempfindung dient zur Objektivierung, ist 
jedoch entbehrlich. Hiermit ist der Unterschied bei Ausschlufs und bei 
Mitwirkung der distalen Segmente erklärt. Bezüglich der Trage, ob zum 
Entstehen einer Vorstellung von der Schwere eines Objekts eine Inner¬ 
vations-Empfindung als erforderlich angenommen werden müsse, führe 
ich einen Versuch an, welcher die Wiederholung eines früher von 
Bernhardt angestellten Versuches ist und darin besteht, dafs Gewichte 
mittelst elektrischer Beizung des Muskels gehoben werden. Es zeigt 
sich, dafs hierbei die Schwere-Empfindung gleichfalls zu stände kommt, 
trotz Ausschliefsung des Willens-Impulses. Zu demselben Ergebnis 
führt es, wenn die Muskel-Kontraktion auf dem Wege des Behex es aus¬ 
gelöst wird. Gleiches gilt für die Empfindung des Widerstandes. Die 
Vorstellungen eines aufser uns befindlichen schweren Objektes oder 
eines von aufsen wirkenden Widerstandes sind komplexe Produkte, aber 
nicht aus Gliedern, welche die von uns aufgewendete Kraftleistung, so¬ 
wie den Erfolg derselben in Form von Merkmalen, welche auf die Seele 
wirken, umfassen, sondern aus solchen, welche von der gesamten Kette 
von physiologischen Vorgängen lediglich die Veränderungen und Ein¬ 
wirkungen, welche die der Aufsenwelt gegenübergestellte Peripherie des 
Körpers erleidet, enthalten. Kasuistisch hat man das Vermögen, Gewichte 
zu erkennen, bei herabgesetzter Sensibilität in manchen Fällen bedeutend 
herabgesetzt, in anderen auffallend wenig beeinträchtigt gefunden. Dies 
erklärt sich daraus, dafs man, wie die Untersuchungen gelehrt haben, 
eine Schwere-Empfindung auch haben kann, wenn die Angriffsstelle der 
Last selbst anästhetisch ist, und dafs der funktionelle Ausfall der distalen 
Segmente die Schwere-Empfindung zwar abstumpft, aber nicht aufhebt. 
Bei der vergleichenden Prüfung dieses Vermögens an verschiedenen 
Extremitäten sind bisher die statischen Verhältnisse nicht genügend, die 
Mitwirkung der haltenden Segmente so gut wie gar nicht berücksichtigt 
worden. 
Bezüglich der Wahrnehmung der Lage und Haltung der Glieder 
unterscheide ich zwischen der Stereognosie, d. h. der Wahrnehmung 
von der Form des einzelnen Segments und der Enklisiognosie, d. h. der¬ 
jenigen von der gegenseitigen Stellung der Segmente. Für beide Fähig¬ 
keiten bilden, wie durch Versuche nachgewiesen wird, peripherische 
Sensationen, nur in verschiedenartiger Verwertung, die Merkmale, welche 
die betreffenden, durch Erfahrung erworbenen, optischen Vorstellungen 
hervorrufen. Die Erörterung dieser verschiedenen Merkmale kann hier 
nicht wiedergegeben werden. 
Auch für die Perception der aktiven Bewegung kommen im wesent- 
lichen von der Peripherie zugeleitete Sensationen in Betracht: so wird
        

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