Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
C. Lorenz: Untersuchungen über die Auffassung von Tondistanzen. Wundts Philos. Studien, VI. Band, 1. Heft, S. 26-103, 1890
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14291/1/
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Litieraturbericht. 
Verfasser weist zunächst auf die Schwebungen hin, die bei einer 
gewissen Frequenz den Charakter des Schwirrens, Rasseins, Knarrens 
annehmen, also den Charakter von Geräuschen. Diese Geräusche werden 
aber nicht getrennt von den schwebenden Tönen perzipiert, denn mit 
Schwerhörigkeit — auch wenn sie nervöser Natur — behaftete Personen, 
welche die schwebenden Töne nicht hören, hören auch die geräusch¬ 
artigen Schwebungen nie. 
Seine Untersuchungen über die physikalische Beschaffenheit der 
zahllosen Reibegeräusche, von denen zunächst die Kurve des Zischens 
mit Hilfe der KöNioschen Flamme im rotierenden Spiegel darzustellen 
versucht wurde, bezeichnet Verfasser als noch nicht zu völlig befrie¬ 
digendem Abschlufs gelangt. Indessen, „sind die Komponenten irgend 
eines Reibungsgeräusches periodische Bewegungen und erfolgen solche 
während der einzelnen Phasen der Reibung in genügender Anzahl auf¬ 
einander, um gehört zu werden, so wird auch selbstverständlich ihre 
Auslösung in Teilen des Gehörorgans erfolgen müssen, wo die aus perio¬ 
dischen Bewegungen sich zusammensetzenden Klänge ausgelöst werden“. 
Die Knallgeräusche, welche heim Zusammenschlagen von Büchern 
oder Händen, beim Herausschleudern von Korken aus Windhüchsen und 
bei anderen Gelegenheiten entstehen, zeigen alle im rotierenden Spiegel 
unter Anwendung der Kövicschen Kapsel mehrere Wellen. Aus diesem 
Grunde, und zumal da die Anzahl der wirklich auftretenden Wellenbe¬ 
wegungen mit grofser Wahrscheinlichkeit die der sichtbaren noch über¬ 
trifft, dürfte zuzugeben sein, dafs „die Bedingungen für eine Schallper¬ 
zeption vorhanden sind, ohne die Annahme eines besonderen Geräusch¬ 
apparates“. 
Durch Kombination von Tönen verschiedener Qualität und Schwin¬ 
gungsdauer mit Zuhülfenahme von Schwebungen gelang es dem Verfasser 
die verschiedensten Geräusche und ihre Übergänge zu Klängen darzu¬ 
stellen, was als weiteres Moment zu Ungunsten der strikten Scheidung 
zwischen Klängen und Geräuschen angesehen werden darf. Für einen 
specifischen Geräuschapparat kann man auch nicht den Umstand geltend 
machen, dafs von manchen Schwerhörigen, welche Töne und Sprache 
schlecht perzipieren, knipsende und tickende Geräusche noch gut ver¬ 
nommen werden. Denn bei derartigen Geräuschen handelt es sich um 
Schallqualitäten mit relativ geringer Anzahl von Wellenbewegungen, 
und Verfasser konnte in vielen Fällen nachweisen, dafs die Reaktions¬ 
fähigkeit des Gehörorganes auf kurze Reize von Tonqualität durchaus 
nicht dem Grade der Hörfähigkeit für Töne überhaupt zu entsprechen 
braucht. Die im Anschlufs hieran beschriebenen Hörprüfungsmethoden 
für kurze Reize sind im Original nachzulesen. 
Schaefer (Jena). 
C. Lorenz. Untersuchungen über die Auffassung von Tondistanzen. 
Wundts Philos. Studien. VI. Band. 1. Heft (1890), S. 26—103. 
Wundt erwähnt bereits 1887 in der 3. Aufl. der Physiol. Psychologie 
Versuche von Lorenz zur Prüfung des WEBERSchen Gesetzes mit der 
Fragestellung, welcher Ton zwischen zweien in der Mitte liege. Seitdem
        

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