Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Charpentier: Recherches sur l'intensité comparative des sons d'après leur tonalité. Arch. de phys. norm. et path., No. 3, S. 496-507, 1890
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14283/2/
Litteraturbericht. 
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versetzen. Es wurden immer höchstens zwei Töne gleichzeitig beobachtet 
und die Beobachtungen möglichst rasch angestellt, da die Hörschärfe 
von Augenblick zu Augenblick wechselt. In dieser Weise und unter 
vorsichtiger Ausschaltung störender Einflüsse, wie Reflexion, Tageslärm 
u. s. w. liefsen sich brauchbare Resultate gewinnen. Je höher die Töne, 
um so gröfser konnte die Distanz zwischen Instrument und Ohr genom¬ 
men werden, ehe die Schwelle erreicht wurde. Die Octave wurde 2,87 ; 
die Quinte 1,75; die Quarte l,73mal so weit gehört als der Grundton. 
Daraus folgert Verf., dafs die Intensitätsempfindung ceteris paribus eine 
Funktion der Anzahl der Reize in der Zeiteinheit ist, wonach diesen 
also eine cumulierende Wirkung zuzuschreiben wäre. Schaefer (Jena). 
Hugo Pipping. Zur Klangfarbe der gesungenen Vokale. Untersuchung 
mit Hessens Sprachzeichner, ausgeführt im physiologischen Institut 
zu Kiel. Zeitschrift für Biologie, Bd. XXVII. N. F. IX. (1890), 80 S. 
Während die Natur der Vokale als Klänge bereits lange feststand, 
haben bekanntlich zuerst Wheatstone (1837) und Donders (1857) die ge¬ 
nauere Analyse auf Grund der Thatsache angebahnt, dafs die Mundhöhle 
in ihrer für jeden Vokal specifischen Konfiguration einen Resonator dar¬ 
stellt, welcher auf einen oder zwei, alsdann durch ein gröfseres Spatium 
getrennte, bestimmte Töne oder richtiger Tongruppen („Verstärkungsge¬ 
biete“) abgestimmt ist, da neben dem maximal verstärkten Ton auch in 
abnehmendem Mafse die ihm nächststehenden höheren und tieferen 
Töne der Skala mit verstärkt werden. Das vorliegende Material vervoll¬ 
kommnend, definierte Helmholtz (1877) die Vokale als „Klänge mem- 
hranöser Zungen, nämlich der Stimmbänder, deren Ansatzrohr, nämlich 
die Mundhöhle, verschiedene Weite, Länge und Stimmung erhalten kann, 
so dafs dadurch bald dieser bald jener Teilton des Klanges verstärkt 
wird;“ — und: „Die Vokalklänge unterscheiden sich hiernach von den 
Klängen der meisten anderen Instrumente wesentlich dadurch, dafs die 
Stärke ihrer Obertöne nicht nur von der Ordnungszahl derselben, sondern 
überwiegend von deren absoluter Tonhöhe abhängt. Wenn ich z. B. den 
Vokal A auf die Note Es singe, ist der verstärkte Ton b" der zwölfte des 
Klanges, und wenn ich denselben Vokal auf die Note V singe, ist es der 
zweite Ton des Klanges, welcher verstärkt wird.“ Nachdem nun gegen 
diese Theorie des „absoluten Momentes“ schon 1875 v. Quanten die Frage 
aufgeworfen, wodurch denn Vokale charakterisiert seien, die auf einen 
Ton gesungen würden, welcher den charakteristischen Verstärkungston 
(in obigem Beispiel b") gar nicht als Oberton enthielte, vielmehr z. B. 
seihst höher sei als dieser; führte Auerbach 1876 das „relative Moment“ 
in die Vokaltheorie ein, wonach also, wie hei unseren Musikinstrumenten, 
gleichgültig, welches der Grundton ist (auf den der Vokal gesungen 
wird), die entstehenden Obertöne immer dasselbe Verhalten zeigen, das 
natürlich eben für jeden Vokal ein specifisches ist. Ähnlich hatte übri¬ 
gens schon Grassmann 1854 unter anderem den Satz aufgestellt, die 
Vokale TJ-Ü-J seien durch Mitschwingen nur eines Ohertones neben dem 
Grundtone charakterisiert; A durch eine Reihe von Obertönen von fast 
gleicher Stärke. Schneebeli (1879) folgerte aus seinen Untersuchungen,
        

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