Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tonpsychologie, II. Band. XIII. u. 582 S., Leipzig 1890, Hirzel. Selbstanzeige
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14279/4/
B48 
Litteraturbericht. 
mehr als ein Verhältnis der Empfindungsinhalte nur physiologisch er¬ 
klärbar. Sie führt auf den Begriff „specifischer Synergien“. Generelle 
Entwickelung hleiht hier wie hei den specifischen Energien denkbar. 
Eine Idee in dieser Richtung habe ich angegeben, ohne derselben (eben¬ 
sowenig wie derjenigen im I. Band über Entwickelung des Tonsinnes 
und der Unterschiedsempfindlichkeit von der Höhe zur Tiefe) ein son¬ 
derliches Gewicht beilegen zu wollen. 
Die folgenden Paragraphen untersuchen zwei andere Bedingungen des 
Analysierens und Heraushörens : § 21 das Stärkeverhältnis der Töne, § 22 
die Aufmerksamkeit. Ungleiche Intensität führt zur Erschwerung, zuletzt 
zur Unmöglichkeit der Analyse, zur „Unterdrückung“ eines Tones durch 
den anderen, eine Thatsache, die sowohl experimentell als theoretisch 
noch zu wenig berücksichtigt ist. Im Einzelnen wird dann das Heraus¬ 
hören von regelmäfsigen Beitönen, namentlich Kombinationstönen und 
Ohertönen, und zuletzt die Frage nach dem Vorkommen einfacher Töne 
besprochen (oh hei Ausschlufs objektiver Ohertöne subjektive un¬ 
vermeidlich sind, wie es sich ferner mit H. Riemakns Untertönen, mit 
Machs Zerlegung der Töne in die Elemente „Dumpf und Hell“ verhält). 
Es besteht meiner Meinung nach kein triftiger Grund, gewisse Klänge 
nicht als völlig einfache anzusehen, z. B. ganz schwache Töne von 
Stimmgabeln auf Resonanzkästen, subjektive Töne, Ohertöne und Kom¬ 
binationstöne, endlich die höchsten wahrnehmbaren Töne. 
Die Betrachtungen über den Einftufs der Aufmerksamkeit auf die 
Analyse (§ 22) beginnen mit allgemeinen Erläuterungen über das Wesen 
und die Wirkungen dieser Kraft, welche das im I. Band Vorgebrachte 
teils ergänzen, teils berichtigen sollen. Dann wird besonders eingehend 
die Verstärkung schwacher Klang-Komponenten durch Aufmerksamkeit 
und das Verhältnis der letzteren zu Muskelaktionen untersucht. Ich 
halte daran fest, dafs Aufmerken sowie auch Verstärkung durch Auf¬ 
merken (welches nur eine gelegentliche, nicht die Hauptwirkung ist) 
ohne jede Muskelaktion erfolgen kann, und dafs die Muskelaktion, wo 
sie erfolgt, wesentlich nur eine Begleiterscheinung darstellt. Zuletzt 
wird die Möglichkeit und die Bedingungen des gleichzeitigen Aufmerkens 
auf eine Mehrheit von Empfindungen besprochen. 
§ 23 stellt die Bedingungen für die Zuverlässigkeit der Analyse 
und des Heraushörens klassifikatorisch zusammen, wobei die schon einzeln 
besprochenen kurz, die übrigen weitläufiger zur Sprache kommen; unter 
diesen besonders der tonale Abstand der Klangkomponenten (Beob¬ 
achtungen über die gleichzeitige Schwelle, welche höher liegt als die 
successive, aber wie diese sich mit der Tonregion ändert), sowie die 
partiellen Veränderungen in der Höhe oder Stärke der Klangkomponenten. 
Einige schwierige Punkte, Einflufs der Klangfarbe, Verschwinden des 
höheren Oktaventons in bestimmten Fällen (Helmholtz’ Tonempf. S. 103), 
Analyse von Nach- und Gedächtnishildern werden dann noch mit Bezug 
auf die unterschiedenen Bedingungen besprochen. 
Wie im I. Band folgen der Übersicht der Bedingungen Beschrei¬ 
bungen individueller Unterschiede (§ 24). Es werden hier die Fähig¬ 
keiten des Analysierens und Heraushörens vonseiten einiger Individuen,
        

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