Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
J. Loeb: Der Heliotropismus der Tiere und seine Übereinstimmung mit dem Heliotropismus der Pflanzen. Gr. 8°, IV u. 118 S., Würzburg 1890
Person:
Verworn, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14273/3/
Idtteraturbericht. 
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bei der Ausführung der Versuche über den Heliotropismus zur Vermei¬ 
dung von Fehlern Rechnung getragen werden. 
Aufser den Raupen von Porthesia chrysorrhoea hat Verfasser 
noch eine grofse Anzahl anderer Insekten auf ihren Heliotropismus 
untersucht und dabei stets die analogen Erscheinungen gefunden. Be¬ 
sonders ausführlich behandelt er die Beziehungen des Heliotropismus 
der Insekten zu verschiedenen Lebensthätigkeiten. Es ergeben sich bei 
diesen Untersuchungen eine Fülle interessanter biologischer Erschei¬ 
nungen. So stellt sich z. B. heraus, dafs die Nachtschmetterlinge, von 
denen man bisher glaubte, dafs sie das Tageslicht fliehen, während sie 
das Licht einer Kerzenflamme trotz seiner verderbenbringenden Wirkung 
aufsuchen, durchaus ebenso wie die Tagesschmetterlinge positiv helio- 
tropisch sind, nur mit dem Unterschiede, dafs bei ihnen die Reizbarkeit 
durch Licht periodischen Schwankungen unterworfen ist und am Tage 
gänzlich fehlt. Bei anderen Insekten zeigt der Heliotropismus Schwan¬ 
kungen von gröfserer Zeitdauer. So ist der sogenannte Hochzeitsflug 
der männlichen und weiblichen Ameisen bedingt durch den zur Zeit der 
Geschlechtsreife hervortretenden positiven Heliotropismus. Andere In¬ 
sekten, wie die Fliegenlarven sind im Gegensatz zu den bisher besproche¬ 
nen negativ heliotropisch , d. h. sie zeigen dieselben Erscheinungen 
in umgekehrtem Sinne, indem sie sich von der Lichtquelle fort bewegen. 
Wenn der Verfasser aber aus der Thatsache, dafs gewisse augenlose 
Muscidenlarven negativ heliotropisch sind, den Schlufs zieht, dafs bei 
Tieren „die heliotropische Reaktion Eigentümlichkeit des Protoplasmas 
und nicht spezifische Eigentümlichkeit der Augen“ ist, so dürfte diese 
Verallgemeinerung eines speciellen Falles, der selbst nicht ganz einwands¬ 
frei ist, doch wohl nicht ohne weiteres anzunehmen sein. Während die 
Fliegenlarven negativ heliotropisch sind, ist die Fliege selbst positiv 
heliotropisch, doch tritt der Heliotropismus bei ihr nicht so deutlich 
hervor, da er durch andere Reizwirkungen leicht verdeckt wird. 
Aufser an Insekten wurden vom Verfasser auch an Fröschen, weifsen 
Mäusen, Crustaceen, Mollusken und Würmern heliotropische Eigenschaften 
gefunden. 
Die letzte Konsequenz, welche der Verfasser aus seiner Arbeit 
ziehen zu müssen glaubt, dafs nämlich die „heliotropischen Erschei¬ 
nungen nicht auf spezifischen Eigenschaften des Centralnervensystems be¬ 
ruhen“, d. h. nicht als höhere psychische und Reflexwirkungen aufzufassen 
sind, und zwar aus dem alleinigen Grunde, weil auch die Tiere, welche 
Nerven besitzen, sich ebenso verhalten wie die nervenlosen Pflanzen, 
dürfte übrigens nur für einen verschwindend kleinen Teil aller mit einem 
Centralnervensystem versehenen Tiere physiologisch haltbar sein, be¬ 
stimmt nicht für die höheren Tiere. Vebworn (Jena). 
G. Itelson. Zur Geschichte des psychophysischen Problems. Arch. f. 
Gesch. d. Philosophie, III., 1890, S. 282—290. 
Aus älterer und teilweise abgelegener Litteratur stellt I. einige 
Erörterungen zusammen über die Mefsbarkeit, bezw. Nichtmefsbarkeit
        

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