Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. Wiedemann: Zur Geschichte der Lehre vom Sehen. Wiedemanns Ann. Bd. XXXIX, S. 470-474
Person:
König, Arthur
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14262/1/
Litteraturbericht. 
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Von besonderem Interesse sind noch die Beobachtungen, welche der 
Verfasser über die bei dem Patienten vorhandenen Störungen in den 
Geistesfunktionen machte. Es ergab sich, dafs hinsichtlich der optischen 
Erinnerungsbilder kein Defekt vorhanden war, wohl aber, dafs das Orts¬ 
gedächtnis, das Lokalisationsvermögen, also die Fähigkeit, sich die 
Dinge in bestimmter Anordnung nebeneinander vorzustellen, in hohem 
Grade verloren gegangen war. In Verbindung mit dem ungemein kleinen 
Gesichtsfelde erklärte sich hieraus, dafs der Patient in allen seinen Be¬ 
wegungen viel hilfloser war, als ein völlig Erblindeter, dessen Geistes¬ 
funktionen intakt sind. Arthur König. 
O. Katz. Die Augenheilkunde des Galenus. Erster (theoretischer) Teil: 
Über Anatomie und Physiologie des Sehorgans. Berlin 1890. Inaugural- 
Dissertation. 124 S. 
Nach einer kurzen Einleitung, in welcher der Verfasser eine 
Lebensgeschichte von Galenus bringt und den Einflufs bespricht, den 
dieser von der Gegenwart sehr undankbar behandelte grofse Arzt des 
Altertums bis zu den Zeiten von Vesal und Harvey auf die medizinische 
Wissenschaft ausgeübt hat, enthält das fleifsig gearbeitete Schriftchen 
eine ziemlich wortgetreue und doch gut lesbare Übersetzung des im 
Titel angeführten GALENschen Werkes. Auf die Handschriften ist zwar 
nicht zurückgegangen, sondern es ist nur die KüHNSche Ausgabe zu 
Grunde gelegt, aber zahlreiche kritische Anmerkungen, aus denen oftmals 
das reichhaltige philologische Wissen von Professor Hirschberg, mit 
dessen Unterstützung die Übersetzung angefertigt wurde, hervorleuchtet, 
werden die Arbeit vielleicht' auch dem Fachphilologen beachtenswert 
erscheinen lassen. Arthur König. 
E. Wiedemann. Zur Geschichte der Lehre vom Sehen. Wiedemanns Ann. 
Bd. XXXIX, S. 470-474. 
Zwei Hauptansichten waren es, die im Altertum über den Vorgang 
des Sehens bestanden: die eine, von Plato vertretene, läfst von den 
Augen fühlfädenartige Strahlen ausgehen und die gesehenen Gegenstände 
gleichsam von ihnen betasten, die andere, von Demokrit und Aristoteles 
verfochtene, dagegen von den Gegenständen selbst die Lichtstrahlen aus¬ 
gehen, welche dann das Auge treffen. Es siegte im Altertum die erstere 
Ansicht, Euklid und Ptolemaus nahmen sie an. Nach der in den bisher 
erschienenen Geschichten der Physik gegebenen Darstellung ist der 
Araber Jbn al Haitam (f 1038) der erste gewesen, der wieder die richtige 
ARisToiELische Anschauung vertrat. Der Verfasser, dem die Geschichte 
der Physik schon manchen wertvollen Beitrag verdankt, weist nun nach, 
dafs Jbn al Haitam unter seinen Landsleuten bereits Vorgänger gehabt 
hat. Sowohl Al Farabi (870—950) wie Al Eazi (t 923 oder 932) haben 
bereits die ARiSTOTELische Lehre sich zu eigen gemacht, und auch in 
den Schriften der lautern Brüder (Ichwân Al Safä [10. Jahrh.]) ist die¬ 
selbe Ansicht ausgesprochen. Arthur König.
        

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