Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
W. Jerusalem, Laura Bridgman, Erziehung einer Taubstumm-Blinden, Eine psychologische Studie. Wien 1890, A. Pichlers Witwe & Sohn, 8°, 76 S.
Person:
König, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14250/2/
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Litteraturbericht. 
ihr erteilten Unterrichtes besprochen. Zwei von L. B. verfafste Ge¬ 
dichte: „Holy home“ und „Light and darkness“ werden im Wortlaute mit¬ 
geteilt. Es sind freilich nur reim- und rhythmuslose Aneinander- 
reihungen kurzer Sätze, aber sie zeigen doch, wie reichhaltig der Vor- 
stellungsinhalt ist. In der genauen Zeitschätzung L. B.s sieht J. eine 
Bestätigung seiner Ansicht, „dafs die Zeit durch das Innewerden der 
Bewufstseinsarheit zum Bewufstsein kommt oder, um mit Münsterberg 
zu sprechen, durch die erst hei lebhafter Aufmerksamkeit merklich wer¬ 
denden Spannungsempfindungen.“ Die ästhetischen Gefühle L. B.s setzen 
sich nur aus Tast- und Bewegungsempfindungen zusammen. Auch hier 
sind Leichtigkeit und Rhythmus derBewegung Bedingungen des ästhe¬ 
tischen Wohlgefallens: ein glatter Stock gefiel ihr stets besser als ein 
rauher, und Stöcke mit regelmäfsig verteilten Knoten zog sie solchen 
vor, hei denen die Knoten in ungleichen Zwischenräumen aufeinander 
folgten. 
In dem Schlufskapitel giebt J. kurze Mitteilungen über die an 
andern Taubstummblinden bisher erzielten Unterrichtsergebnisse. Wir 
erfahren, dafs gegenwärtig abermals ein lOjähriges taübstummblindes 
Mädchen, Helene Keller, nach derselben Methode wie L. B. unterwiesen 
wird und zwar, wie es scheint, mit Resultaten, welche die hei dieser 
erlangten noch weit übertreffen. Arthur König. 
J. Lubbock. Die Sinne und das geistige Leben der Thiere, insbesondere 
der Insekten. Übersetzt von W. Marshall. (Internat, wissensch. 
Bibliothek. 67. Bd.) Leipzig 1889. F. A. Brockhaus. 8°, XVIII und 
296 S. 
Wie schon der Titel anzeigt, zerfällt das Werk in zwei nur lose 
zusammenhängende Hälften. Der erste Teil, dem zehn Kapitel ge¬ 
widmet sind, behandelt in übersichtlicher, durch treffliche Illustrationen 
unterstützter Darstellung das Vorkommen und die Gestaltung der ver¬ 
schiedenen Sinnesorgane bei den bisher in dieser Beziehung näher unter¬ 
suchten Tierklassen und -Ordnungen. Wie der Verfasser in den ein¬ 
leitenden Bemerkungen vorausschickt, „ist der Gegenstand freilich ebenso 
umfangreich wie schwierig und nichts liegt ihm ferner, als eine voll¬ 
ständige Übersicht über das ganze Gebiet der Frage gehen zu wollen“. 
Seine völlige Beherrschung des Themas zeigt er vor allem darin, dafs er 
mit grofsem Geschick diejenigen Fälle auswählt und näher bespricht, 
welche für die hier beabsichtigte, Wissenschaftlichkeit und Allgemein¬ 
verständlichkeit vereinigende Art der Darstellung die lehrreichsten sind. 
Besonders interessant ist das achte Kapitel „über die problematischen 
Sinnesorgane“. Die vier letzten, den zweiten Teil des Buches bildenden 
Kapitel behandeln das Problem des tierischen Seelenlebens hei der un- 
gemeinen Dürftigkeit des auf diesem Gebiete vorliegenden Materials 
nur an einzelnen, zum Teil vom Verfasser selbst, zum Teil von anderen 
Beobachtern angestellten Versuchen. 
Gegenüber der Reichhaltigkeit des ganzen Werkes und der plan-
        

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